Steigerwald - schon geschützt?

 

Der bestehende Naturpark Steigerwald ersteckt sich über 128.000 ha. Für einen Nationalpark im Steigerwald eignet sich eine Fläche von 11.250 ha im 17.000 ha großen BaySF Forstbetrieb Ebrach an der Grenze zwischen Oberfranken (Landkreis Bamberg) und Unterfranken (Landkreis Schweinfurt & Landkreis Hassberge). Somit würde ein Nationalpark Nordsteigerwald weniger als 10 % der Fläche des Naturparks Steigerwald einnehmen.

In dem vorgeschlagenen Nationalgebiet gibt es bereits kleinere Schutzgebiete, wobei die Ausweisung als Naturschutzgebiet nicht unbedingt ordnungsgemäße Forstwirtschaft ausschließt. Der Totalschutz wird durch Naturwaldreservate gewährleistet.

 

Naturschutzgebiete (NSG):

(in den meisten Flächen ordnungsgemäße Forstwirtschaft zugelassen)

  • Spitalgrund-Obereres Volkachtal (Erlen-Eschen-Bachauenwälder): 41,6 ha bzw. 20,7 ha des Forstbetriebs (NSG-Nummer 600.047)
  • Weihergrund bei Ebrach: 24,5 ha bzw. 0,3 ha des Forstbetriebs (Nr: 400.053)
  • Weilersbach: 93,0 ha bzw. 61,0 ha des Forstbetriebs (Nr: 600.098)
  • Dolinen im Mahlholz: 31,2 ha
  • Schulterbachtal: 31,2 ha bzw. 8,4 ha des Forstbetriebs (Nr: 600.072) 
  • Spitzenberg bei Ebrach: 25,0 ha bzw. 23,2 ha des Forstbetriebs (Nr: 400.050)
  • NWR Waldhaus mit Feuchtbereich Handthalgrund 105,5 ha (Nr: 400.090)

    Steigerwald Brunnstube

Naturwaldreservat (NWR): 431 ha

  • Waldhaus (09-120) ausgewiesen 1978: 90,7 ha
    Buchenwälder bodensaure Standorte und Erlen-, Ulmen-, Auen- und Feuchtwälder
  • Zwerchstück (09-152) ausgewiesen 1998: 28,0 ha
    (Labkraut Eichen-Hainbuchenwälder) Ei-HBu-Wälder trocken-warmer Standorte u Bu-W bodensauerer
    Standorte
  • Mordgrund (09-156) ausgewiesen 1998: 24,9 ha
    Bu-Wälder und Wiesentäler
  • Brunnstube (09-121) ausgewiesen 1978: 49,9 ha
    Buchenwälder bodensaurer Standorte, Euchen-Hainbuchenwälder trocken-warmer Standorte
  • Kleinengelein (09-165) ausgewiesen 2010: 53,7 ha
    (Altbestand mit Waldmeister-Buchenwälder) Bu-Wälder basen- bis kalkreicher Standorte
  • Böhlgrund (09-165) ausgewiesen 2010: 183,4 ha
    Bu-Wälder basen bis kalkreicher Standorte, (Hangmischwälder und Schluchtwälder)

Was ist ein Nationalpark?
Die internationale Naturschutzunion (IUCN) beschreibt Nationalparks als großflächige natürliche oder naturnahe Gebiete oder Landschaften samt ihrer typischen Arten- und Ökosystemausstattung. Sie werden zur Sicherung großräumiger ökologischer Prozesse ausgewiesen und bieten eine Basis für Bildungs-, Erholungs- und Besucherangebote.

Wie groß wäre so ein Nationalpark?
In Bayern muss ein Nationalpark mindestens 10.000 Hektar groß sein – das ist eine Fläche von 10 mal 10 Kilometer. Das sind gerade mal 6% des gesamten bayerischen Spessarts (170.000 Hektar). Somit würde lediglich ein Bruchteil davon zum Nationalpark erklärt werden. Für einen Nationalpark sollten nur öffentliche Waldflächen ausgewiesen werden. Der Suchraum für den Schutz eines Waldgebietes von 10.000 Hektar wäre wohl vor allem im Hochspessart, in den Landkreisen Main-Spessart, Aschaffenburg und Miltenberg. Aus naturschutzfachlicher Sicht wären besonders Wälder im BaySf-Forstbetrieb Rothenbuch für die Einrichtung eines Nationalparks geeignet.

Wie wird ein Nationalpark eingeteilt?
50 Prozent einer Nationalparkfläche sollten von Anfang an als Naturzone ausgewiesen werden, um natürliche Entwicklungen und Prozesse zuzulassen. Weitere 25 Prozent der Fläche bilden eine sogenannte „temporäre Entwicklungszone“ und sollten innerhalb von 30 Jahren der Natur überlassen werden. Hier können Waldumbau- und Renaturierungsmaßnahmen durchgeführt werden. Die anderen 25 Prozent bilden die dauerhafte Managementzone (Pflege bzw. Randzone). Hier werden beispielsweise in der Randzone, falls notwendig, Borkenkäfer bekämpft oder Wildtiermanagement zum Schutz der benachbarten Flächen durchgeführt, um zu vermeiden, dass z.B. Wildschweine auf angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen große Schäden verursachen. In der Pflegezone können dauerhaft auch besondere Biotope wie Huteeichen und Magerwiesen gepflegt werden.

Welchen Nutzen haben Nationalparks für die Natur?
• Schützen naturnahe Gebiete oder Landschaften
• Fördern natürliche Entwicklung auf großer Fläche
• Lassen eine selbstständige Anpassung an Veränderungen wie den Klimawandel zu
• Erhalten die Vielfalt verschiedener Lebensräume, Arten und Gene (Biodiversität)
• Schaffen Rückzugs- und Vermehrungsgebiete für wildlebende Pflanzen, Pilze und Tiere
• Sichern ausreichende Flächen für ein dauerhaftes Überleben von Tierpopulationen die viel Platz brauchen

Welchen Nutzen haben Nationalparks für die Region?
• Erhöhen die Attraktivität ihrer Region insbesondere für Naturerleben und Erholung 
• Bieten hohe Lebens- und Wohnqualität
• Fördergelder werden bevorzugt in Nationalparkregionen investiert
• Verstärkter Ausbau der Infrastruktur, wie öffentlicher Nahverkehr und kulturelle Angebote
• Attraktivität der Region für Investoren steigt
• Schaffen neue Arbeitsplätze, beispielsweise in den Sektoren Handwerk, Einzelhandel und Dienstleister
• Steigerung des Bekanntheitsgrads und des Wiedererkennungswertes der Region
• Touristische Aufwertung der Region
• Liefern neue Erkenntnisse durch umfassende Forschungen und sind so Lernfläche für naturnahe Bewirtschaftungsweisen
• Bieten notwendige Erfahrungsräume für Umweltbildung

Wie wird die Bevölkerung beteiligt?
Die Entscheidung über einen Nationalpark trifft – im Gegensatz zu Naturschutzgebieten – der Landtag in Bayern. Im Spessart gibt es ausreichende Flächen im öffentlichen Staatswald, die sich für einen Nationalpark besonders gut eignen würden. Für die Akzeptanz vor Ort sollte bei der Auswahl der in Frage kommenden Flächen aber die Bevölkerung eingebunden werden. Wichtige Themen wie z.B. die Brennholzversorgung, Arbeitsplätze in der Forst- und Sägeindustrie, Fragen zum Pilzsammeln und Wegegeboten sowie Infrastrukturmaßnahmen für die Besucher müssen im Vorfeld beantwortet werden. Die Auswahl geeigneter Gebiete sollte über einen offenen moderierten Dialog mit allen Beteiligten getroffen werden. Die Bevölkerung wird in den verschiedenen Planungsphasen durch ihre kommunalen Vertreter aus Kreis und Kommune vertreten. Öffentlich anerkannte Verbände sowie beteiligte und betroffene Bürger müssen angehört und ihre Einwände abgewogen werden.

Welchen Einfluss haben Landkreise und Kommunen?
Nationalparks schützen nicht nur die Natur, sondern sehen sich gleichzeitig als wichtige Motoren einer naturschutzorientierten Regionalentwicklung. Daher ist eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten notwendig. Die Planungshoheit für Flächen außerhalb des ausgewiesenen Nationalparks bleibt beim jeweiligen Eigentümer, z.B. den Kommunen. In vielen Nationalparks gibt es auch einen kommunalen Nationalpark-Ausschuss, in dem Landräte und Bürgermeister der betroffenen Region sitzen und mit der Nationalparkverwaltung gemeinsam z.B. Maßnahmen und deren Umsetzung erarbeiten. Ist der Nationalpark für die Öffentlichkeit zugänglich? Nationalparke in Deutschland sind frei zugänglich und kosten keinen Eintritt. Für auswärtige Besucher und Touristen sind Lenkungsmaßnahmen aufgrund fehlender Ortskenntnis sinnvoll. Durch ein gezieltes Angebot an attraktiven Wegen, Informationen und geführten Touren sollen die Besucher die Möglichkeit haben, unberührte Natur zu erleben, ohne ihr zu schaden. Für Einheimische gelten in vielen Nationalparken alte Wegerechte weiter. Nationalparks sollen ein Ort der Begegnung von Mensch und Natur sein. Ob Waldflächen betreten oder Wanderwege verlassen werden können, kann durch die Nationalparkverordnung geregelt werden. In der Regel ist ein Betretungsverbot nicht notwendig, da der Großteil der Besucher ohnehin lieber ausgewiesene und bereits vorhandene Wanderwege nutzt. Auch in anderen Nationalparken wie Berchtesgaden oder Hainich können Besucher die Wege auch verlassen. Das Sammeln von Waldfrüchten für den privaten Gebrauch ist auch in vielen Nationalparks erlaubt. All diese wichtigen Themen müssen vor Ort mit den Menschen diskutiert und gemeinsam entwickelt werden. Verbote sollten die absolute Ausnahme sein.

Ist die Brennholzversorgung gesichert?
Für die Anrainer eines Nationalparks Spessart kann durch Holz aus der Entwicklungszone bzw. aus benachbarten Wäldern ausreichend Brennholz zur Verfügung gestellt werden. Für die Nationalpark-Planungskulisse können unter Beteiligung der Bevölkerung detaillierte Brennholzkonzepte erarbeitet werden, die gewährleisten, dass der Brennholzbedarf für die örtliche Bevölkerung in naher Entfernung auch weiter gedeckt wird. Auch für die besonderen Spessart-Holzrechte muss eine annehmbare Lösung gefunden werden.

Wie sind die Auswirkungen auf die Holzwirtschaft?
Natürlich werden Waldflächen aus der Holzproduktion genommen, aber nicht von heute auf morgen. Bei einem potenziellen Nationalpark von 10.000 Hektar Größe würden 5.000 Hektar mit Einrichtung bzw. innerhalb von 30 Jahren 7.500 Hektar Waldfläche aus der Nutzung genommen. Auf den restlichen 2.500 Hektar Fläche - in der sogenannten Pflege- oder Managementzone - wäre eine Holznutzung weiterhin möglich, soweit sie mit den Schutzzielen des Nationalparks übereinstimmt und diesen dient. Die holzverarbeitende Industrie hat 20 bis 30 Jahre Zeit, sich auf Veränderungen hin zu den kleineren bewirtschafteten Flächenanteilen innerhalb des Nationalparks einzustellen. Die Sägebetriebe die direkt Holz aus der betroffenen Fläche im Spessart beziehen, müssen mit den benötigten Holzsortimenten und Mengen identifiziert werden und alternative Belieferungsmöglichkeiten in der Region gefunden werden. Zusicherungen über Mengen und Marktpreise gibt es auch in anderen Nationalparkregionen.

Bleiben die Arbeitsplätze erhalten?
Arbeitsplätze in der Forstverwaltung fallen durch einen Nationalpark nicht weg, sondern gehen in eine Nationalparkverwaltung über. Die Entwicklung des Nationalparks benötigt auch weiterhin qualifizierte Förster und Waldarbeiter. Fachkräfte werden langfristig zur Betreuung der Managementzone des Parks gebraucht. Beispiele anderer Nationalparks in Deutschland zeigen, dass durch diese mehr Arbeitsplätze geschaffen wurden, als verloren gingen.

Bleiben die Spessartwanderwege?
Der Spessartbund betreut im Spessart 5.500 km Wanderwege. Die im Nationalpark liegenden Wanderwege sollten sinnvoll in das Nationalparkkonzept integriert werden. Nach Medieninformationen (www.spessartbund.de 12.2016) will der Spessartbund auch weiterhin im Nationalpark für die Wanderwege eine führende Rolle übernehmen.


Weiterführende Informationen

Infos der Staatsregierung zum Auswahlprozess
Webseite der Bürgerbewegung für den Nationalpark

Was steht bereits unter Schutz?

Bislang gibt es nur wenige kleine Schutzgebiete - Naturwaldreservate (NWR), Naturschutzgebiete (NSG) wie

  • NSG-Hafenlohrtal, 71 ha seit 1988
  • NSG Metzgergraben – Krone, 7 ha seit 1992. Alleine hier wurden 167 xylobionte Käferarten in den am Hang liegenden Reste eines ehemaligen lichten Eichen-Buchen-Mischwaldes gefunden. Der Eichenanteil ist hier sehr hoch und es gibt einzelne Methusalembäume – Alteichen bis über 600 Jahre
  • NSG/NWR Eichhall, 72 ha, seit 2002 Einstellung der Holznutzung und 2005 Unterschutzstellung. Ist ein kleiner Rest ehemals 500 ha großen Eichenwaldes (Eichenheisterblock). Hier wurden 222 xylobionte Käferarten – davon 80 stark gefährdete Arten - gefunden. Es ist ein Rückzugsraum für den bekannten Hirschkäfer und den Eremiten
  • NSG Rohrberg, 9 ha seit 1979. Mit den ersten Unterschutzstellungen im Jahre 1928 ist es das älteste bayerische Schutzgebiet. Es beinhaltet den ältesten Bestand lichter Eichenwälder mit Einzelexemplaren zwischen 500 und 800 Jahren. Unter den 167 xylobionten Käferarten wurden 10 Urwaldreliktarten hier nachgewiesen
  • NSG/NWR Hoher Knuck, 121 ha seit 1952
  • NSG Weihersgrund, 42 ha seit 1998
  • NSG Auenwald bei Erlenfurt, 10 ha seit 1991
  • NWR Gaulkopf, 62 ha
  • Fast das gesamte Gebiet wurde ausserdem als Flora-Fauna-Habitat-Gebiet (FFH) der EU unter Natura2000 gemeldet. Das FFH-Gebiet Hochspessart (Gebietsnummer: 6022-371) hat eine Fläche von 17.415 ha mit dem Ziel des Erhalt bzw. Wiederherstellung der großflächigen bodensauren Buchenwälder des Bundsandsteins im Spessart. Besonders wichtig sind unzerschnittene, störungsarme, strukturreiche, alt- und totholzreiche Wälder (insbesondere Laubwälder) mit einem ausreichend hohen Angebot an Baumhöhlen und natürlichen Spaltenquartieren - die erhalten werden sollen. Diese Lebensräume sind besonders wichtig für die seltene Bechsteinfledermaus, Große Mausohr, Hirschkäfer und Eremit

Nur in den Naturwaldreservaten (NWR) ca 300 ha wurde der Holzeinschlag komplett eingestellt. Naturschutzgebiete (NSG) können - je nach individueller Verordnung - auch genutzt werden. Teilweise wird hier aus Gründen spezielle Arten zu erhalten, sogar eingegriffen; Beispielsweise durch Offenhalten von wertvollen Wiesen, wie im NSG Hafenlohrtal. Bei FFH-Gebieten ist Nutzung grundsätzlich erlaubt, es gibt nur ein Verschlechterungsverbot auf Basis des angegebenen Schutzzieles. Ein Naturpark hat keinerlei Auswirkung auf die Holznutzung - Bei Naturparken steht Tourismus, Erholung, Kulturlandschaftsschutz und Bildung im Vordergrund - im Gegenteil zu Nationalparks wo die natürlichen Prozesse auf großer Fläche Vorrang haben.

Oktober 2011: Greenpeace fragte bei den Bundesländern nach, wie es um den Zustand und den Schutz der alten Buchen- und Laubwälder in öffentlichem Besitz bestellt ist. Diese Anfragen, bei der sich Greenpeace auf das Umweltinformationsgesetz (UIG) beruft, hatten in den meisten Bundesländern bereits umfangreiche und aussagekräftige Datenlieferungen zur Folge: Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Thüringen, Baden-Württemberg, Sachsen, das Saarland, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Brandenburg schafften Transparenz im Wald. Bayern nicht

Februar 2012: Greenpeace eröffnet Waldcamp zum Dokumentieren der Buchenwälder im Spessart
Erster Zwischenbericht - Gravierende Verstöße in dem Buchenwald-FFH-Gebiet festgestellt z.B. Unterpflanzung von Buchenbeständen mit Douglasien und Kahlschläge in Buchenbeständen zur Eichensaat

April 2012: Gutachten zu Douglasienpflanzung in FFH-Gebieten
Greenpeace stellt während der Monitoring-Aktivitäten Verstöße gegen EU Recht fest und reicht eine offizielle Beschwerde bei der EU ein
Greenpeace Abschlussbericht des Monitorings im Spessart

Mai 2012: Wie kann eine Bewirtschaftung und der Schutz der Spessart-Wälder durchgeführt werden - Ein Diskussionspapier von Greenpeace stellt die Eckpunkte vor
Offener Brief von Greenpeace an die Spessart-Förster
Erste Zugeständnisse der Forstverwaltung/BaySF. Die Douglasienpflanzung wird im Spessart im FFH-Laubwald gestoppt

Mai/Juni 2012: Erste Klasse-1 Wälder (Buchenwald > 180 Jahre bzw. Eichenwald > 300 Jahre) in Bayern werden veröffentlicht - darunter auch die Spessart-Forstämter Rothenbuch, Heigenbrücken und Hammelburg (Karte der BaySF)

Juni 2012: Einschlagstopp für Klasse-1 Wälder im Spessart! Immerhin betrifft das im Spessart neben bereits als Naturwaldreservat ausgewiesenen Flächen (370 ha) weitere 1.487 ha Klasse-1 Wälder

Oktober 2012: Greenpeace setzt die Kartierung im Forstbetrieb Rothenbuch und Heigenbrücken (Spessart) fort

November 2012: Greenpeace veröffentlicht geheimgehaltende Forstkarten
Greenpeace stoppt Einschlag in 180 jährigen Buchenbeständen
Hier können Sie aktiv werden - übernehmen Sie eine Baumpatenschaft

2013: Auch in weiteren Teilen des Spessarts geht die Kartierung weiter https://www.greenpeace.de/presse/publikationen/dokumentation-holzeinschlag-im-spessart

Juli 2016: Ministerpräsident Horst Seehofer verkündet die Einrichtung eines dritten Nationalparks. Der Spessart ist auf der Liste der möglichen Gebiete

November 2016: Gespräche zwischen Umweltministerium und den Landräten im Spessart über einen Nationalpark

Februar 2017: Informationsveranstaltung des Ministeriums zum möglichen Spessart Nationalpark in Aschaffenburg
Gründung der Bürgerbewegung für den Nationalpark www.freunde-des-spessarts.de

März 2017: Umfrage zu einem Nationalpark im Spessart. Eine deutliche Mehrheit von 64 Prozent der Bewohner in der Region Bayerischer Spessart und Unterfranken befürworten die Einrichtung eines Nationalparks. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Emnid-Umfrage
Details


Historische Nutzung des Spessarts

Der Spessart liegt im größten Teil des unteren Buntsandsteines. Der natürliche Waldlebensraum sind artenarme acidophile Rotbuchenwälder (Luzulo Fogions). Die Eiche besiedelt in erster Linie die sonnseitigen und wärmeren Standorte. Dort wird sie von der Buche begleitet. Auf schattseitigen Hängen tritt die Buche fast im Reinbestand auf. Neben Buche und Eiche kommen auch noch häufig Hainbuchen und viele Edellaubholzarten vor. Das Kerngebiet – das heutige Forstamt Rothenbuch - war vom Jahre 1011 Besitz der Kurmainzer Erzbischöfe, bis nach Napoleons Niederwerfung der Besitz 1814 an das Königreich Bayern ging und seit dem bayerischer Staatswald ist. Geregelte Forstbewirtschaftung findet etwa seit 1330 statt. Die Hauptnutzungsarten waren Holznutzung für die im 15 Jahrhundert entstehenden Glashütten, sowie Holznutzung der umliegenden Bevölkerung. Aber auch Waldweide (Schweinemast) und Jagd waren von hoher Bedeutung. Auf die Eichen wurde sehr viel wert gelegt, da sie wichtig für die Mast waren. 1526 wurde die Plenternutzung eingeführt, aber schon 1604 fand der Übergang zur schlagweisen Forstwirtschaft (Kahlschlag, Schirmschlag) statt. Erste Ansätze zu Holzpflege und Durchforstung gab es ab 1666 aufgrund der überhöhten Nutzung besonders auch in den Kriegszeiten und der anschließend nur spärlich aufwachsenden Verjüngung (durch enormen Wildverbiss und Waldweide). 1790 wurden bei einer Forstinventur 1.249 ha (28 %) des Revier Rothenbuchs alte Bestände (Hauptsächlich Eichenwälder und gemischte Buchen/Eichenwälder) festgestellt. 32 % der Fläche (1.401 ha) war allerdings maximal 20 Jahre alt.

1888 wurde die Bodenreinertragslehre in den Spessart getragen mit dem Ziel verstärkt Nadelholz (50%) anzubauen. Zur gleichen Zeit wurde aber auch der Femelschlag (also Nutzung kleiner Baumgruppen) eingeführt.1953 stockt die Fichte etwa auf 17% der Fläche und die Eiche etwa 23%.

Es gab auch enorm aufwendige Hofjagden. Für die Jagdfrohndienste, die die Bevölkerung durchzuführen hatte gab es als Ausgleich viele Waldnutzungsrechte die gewährt wurden. So entstanden hier die speziellen „Spessartoberholzrechte“ – die der Bevölkerung Eigenbedarf an Brennholz sichern sollte. Bis heute ist ein Großteil der Staatsfläche mit solchen Rechten belastet. Nach forstlichen Einschlägen dürfen dort dünne Äste (< 4,5 cm) für den Eigenbedarf unentgeltlich durch die Anwohner genutzt werden.

 

Artenvielfalt wie im Urwald 

In Wäldern wie denen im Spessart fühlen sich auch seltene Tier- und Pflanzenarten wohl. In den jungen Wirtschaftswäldern, die den Großteil unseres Buchengebietes bedecken, finden sie keinen Lebensraum mehr. Auch Wissenschaftler identifizieren den Spessart als einen besonderen Hotspot der Artenvielfalt, zum Beispiel für Waldvögel. Dies sieht man zum Beispiel am Naturwaldreservat (NWR) Eichhall im Spessart. Seit wenigen Jahren steht das Gebiet unter Schutz. Mittlerweile lässt sich die Vogelwelt des Eichhalls mit der in den Urwäldern im Polnischen Bialowieza vergleichen. Zahlreiche Spechtarten finden im "Spechthaard", dem Spessart, ideale Lebensbedingungen. Auch der scheue Schwarzstorch brütet seit einigen Jahren hier. Auch eine große Anzahl Fledermausarten findet im Spessart ihren Lebensraum, oft leben Kolonien von über 100 Fledermäusen in einem einzigen ausgehöhlten Baumstamm.

Im Spessart findet man viele sehr seltene Arten - allerdings hauptsächlich in den wenigen Schutzgebieten wie den Naturwaldreservaten die nicht mehr forstwirtschaftlich genutzt werden. Ein Nationalpark bietet die Möglichkeit für viele seltene Tierarten sich auszubreiten.


Urwaldreliktarten

Eremit im Spessart

Die Spessart-Wälder sind auch ein Paradies für die kleinen Bewohner des Waldes: der Käfer. Der Spessart hat eine große Artenvielfalt. Insbesondere Seltenheitswert haben die hohen Tot- und Altholzanteile. Mehr als ¾ der Fläche im Teil Rothenbuch sind mit naturnah zusammengesetzten Laubholzbeständen bestockt. Auf 28% befinden sich alte naturnahe Laubholzwälder, die älter sind als 140 Jahre. Davon sind 960 ha sogar älter als 180 Jahre. 350 ha Eichenwälder, die schon mindestens 300 Jahre alt sind. In dieser Dimension ist das für Bayern einmalig. Die alten Wälder des Hochspessarts sind ein einzigartiger Lebensraum für laubwald-gebundene Arten - inkl. 13 Urwaldreliktarten. 394 verschiedene, auf Totholz angewiesene (xylobionte) Käferarten wurden nachgewiesen, darunter vom Aussterben bedrohte Arten wie der Eremit (Osmoderma eremita, auch Juchtenkäfer genannt, eine Urwaldreliktart). Er lebt in den Höhlen alter Bäume und ist auf den Mulm angewiesen, der sich aus verrottetem Holz bildet. Dieser Käfer kommt nur in urwaldähnlichen und sehr naturnahen Wäldern vor und kann in naturfernen jungen Wirtschaftswäldern mit geringer Totholzdichte nicht überleben.