Was steht bereits unter Schutz?

Bislang gibt es nur wenige kleine Schutzgebiete - Naturwaldreservate (NWR), Naturschutzgebiete (NSG) wie

  • NSG-Hafenlohrtal, 71 ha seit 1988
  • NSG Metzgergraben – Krone, 7 ha seit 1992. Alleine hier wurden 167 xylobionte Käferarten in den am Hang liegenden Reste eines ehemaligen lichten Eichen-Buchen-Mischwaldes gefunden. Der Eichenanteil ist hier sehr hoch und es gibt einzelne Methusalembäume – Alteichen bis über 600 Jahre
  • NSG/NWR Eichhall, 72 ha, seit 2002 Einstellung der Holznutzung und 2005 Unterschutzstellung. Ist ein kleiner Rest ehemals 500 ha großen Eichenwaldes (Eichenheisterblock). Hier wurden 222 xylobionte Käferarten – davon 80 stark gefährdete Arten - gefunden. Es ist ein Rückzugsraum für den bekannten Hirschkäfer und den Eremiten
  • NSG Rohrberg, 9 ha seit 1979. Mit den ersten Unterschutzstellungen im Jahre 1928 ist es das älteste bayerische Schutzgebiet. Es beinhaltet den ältesten Bestand lichter Eichenwälder mit Einzelexemplaren zwischen 500 und 800 Jahren. Unter den 167 xylobionten Käferarten wurden 10 Urwaldreliktarten hier nachgewiesen
  • NSG/NWR Hoher Knuck, 121 ha seit 1952
  • NSG Weihersgrund, 42 ha seit 1998
  • NSG Auenwald bei Erlenfurt, 10 ha seit 1991
  • NWR Gaulkopf, 62 ha
  • Fast das gesamte Gebiet wurde ausserdem als Flora-Fauna-Habitat-Gebiet (FFH) der EU unter Natura2000 gemeldet. Das FFH-Gebiet Hochspessart (Gebietsnummer: 6022-371) hat eine Fläche von 17.415 ha mit dem Ziel des Erhalt bzw. Wiederherstellung der großflächigen bodensauren Buchenwälder des Bundsandsteins im Spessart. Besonders wichtig sind unzerschnittene, störungsarme, strukturreiche, alt- und totholzreiche Wälder (insbesondere Laubwälder) mit einem ausreichend hohen Angebot an Baumhöhlen und natürlichen Spaltenquartieren - die erhalten werden sollen. Diese Lebensräume sind besonders wichtig für die seltene Bechsteinfledermaus, Große Mausohr, Hirschkäfer und Eremit

Nur in den Naturwaldreservaten (NWR) ca 300 ha wurde der Holzeinschlag komplett eingestellt. Naturschutzgebiete (NSG) können - je nach individueller Verordnung - auch genutzt werden. Teilweise wird hier aus Gründen spezielle Arten zu erhalten, sogar eingegriffen; Beispielsweise durch Offenhalten von wertvollen Wiesen, wie im NSG Hafenlohrtal. Bei FFH-Gebieten ist Nutzung grundsätzlich erlaubt, es gibt nur ein Verschlechterungsverbot auf Basis des angegebenen Schutzzieles. Ein Naturpark hat keinerlei Auswirkung auf die Holznutzung - Bei Naturparken steht Tourismus, Erholung, Kulturlandschaftsschutz und Bildung im Vordergrund - im Gegenteil zu Nationalparks wo die natürlichen Prozesse auf großer Fläche Vorrang haben.

Artenvielfalt wie im Urwald 

In Wäldern wie denen im Spessart fühlen sich auch seltene Tier- und Pflanzenarten wohl. In den jungen Wirtschaftswäldern, die den Großteil unseres Buchengebietes bedecken, finden sie keinen Lebensraum mehr. Auch Wissenschaftler identifizieren den Spessart als einen besonderen Hotspot der Artenvielfalt, zum Beispiel für Waldvögel. Dies sieht man zum Beispiel am Naturwaldreservat (NWR) Eichhall im Spessart. Seit wenigen Jahren steht das Gebiet unter Schutz. Mittlerweile lässt sich die Vogelwelt des Eichhalls mit der in den Urwäldern im Polnischen Bialowieza vergleichen. Zahlreiche Spechtarten finden im "Spechthaard", dem Spessart, ideale Lebensbedingungen. Auch der scheue Schwarzstorch brütet seit einigen Jahren hier. Auch eine große Anzahl Fledermausarten findet im Spessart ihren Lebensraum, oft leben Kolonien von über 100 Fledermäusen in einem einzigen ausgehöhlten Baumstamm.

Im Spessart findet man viele sehr seltene Arten - allerdings hauptsächlich in den wenigen Schutzgebieten wie den Naturwaldreservaten die nicht mehr forstwirtschaftlich genutzt werden. Ein Nationalpark bietet die Möglichkeit für viele seltene Tierarten sich auszubreiten.


Urwaldreliktarten

Eremit im Spessart

Die Spessart-Wälder sind auch ein Paradies für die kleinen Bewohner des Waldes: der Käfer. Der Spessart hat eine große Artenvielfalt. Insbesondere Seltenheitswert haben die hohen Tot- und Altholzanteile. Mehr als ¾ der Fläche im Teil Rothenbuch sind mit naturnah zusammengesetzten Laubholzbeständen bestockt. Auf 28% befinden sich alte naturnahe Laubholzwälder, die älter sind als 140 Jahre. Davon sind 960 ha sogar älter als 180 Jahre. 350 ha Eichenwälder, die schon mindestens 300 Jahre alt sind. In dieser Dimension ist das für Bayern einmalig. Die alten Wälder des Hochspessarts sind ein einzigartiger Lebensraum für laubwald-gebundene Arten - inkl. 13 Urwaldreliktarten. 394 verschiedene, auf Totholz angewiesene (xylobionte) Käferarten wurden nachgewiesen, darunter vom Aussterben bedrohte Arten wie der Eremit (Osmoderma eremita, auch Juchtenkäfer genannt, eine Urwaldreliktart). Er lebt in den Höhlen alter Bäume und ist auf den Mulm angewiesen, der sich aus verrottetem Holz bildet. Dieser Käfer kommt nur in urwaldähnlichen und sehr naturnahen Wäldern vor und kann in naturfernen jungen Wirtschaftswäldern mit geringer Totholzdichte nicht überleben.

Die Bayerischen Staatforsten bewirtschaften als Anstalt des öffentlichen Rechts 754.546 ha Wald der im Besitz des Freistaates Bayern ist. Dieser Wald ist nachdem eigenen Naturschutzkonzept der BaySF klassifiziert. 

Klassifizierung der Wälder nach BaySF:

 Klasse 1

  • Auswahl: Buchenbestände > 180 Jahre, Eichenbestände > 300 Jahre
  • Maßnahmen: Hiebsruhe von Flächen < 1 ha, Ausnahme besonders wertholzhaltige Stämme (wenn nicht gleichzeitig ökologisch besonders wertvoll (z.B. Spechthöhle))
  • Langfristige Sicherung: Nur durch Forstbetriebseinrichtung ausgewiesen. Keine öffentliche Bekanntgabe der Flächen. Keine Ausweisung als NSG/NWR. Aber NWR/NSG werden in Klasse 1 Wälder ggf. mitgezählt
  • Im Forstbetrieb Rothenbuch wurden im Jan2012 auch Einschläge "Wertholznutzung" in Buchenbeständen > 180 Jahren durchgeführt. Da diese nicht langfristig aus der Nutzung genommen werden

 

Klasse 2

  • Auswahl: Laubholzbestände > 140 Jahre
  • Ziel: Totholzziel von 40 Vfm/ha wird angestrebt; sowie im Durchschnitt 10 Biotopbäume/ha innerhalb 20 – 30 Jahren

 

Klasse 3

  • Auswahl: Naturnah bestockte Bestände < 140 Jahre
  • Ziel: Totholzziel von 20 Vfm/ha wird angestrebt für Bestände > 100 Jahren, sowie im Durchschnitt 10 Biotopbäume/ha innerhalb 20 – 30 Jahren

 

Klasse 4

  • Auswahl: Naturferne Bestände
  • kein messbares Totholzziel

 

Im Vergleich des Forstamtes Rothenbuch (Spessart) mit dem Forstamt Ebrach (Steigerwald) bzw. mit dem Gesamtwald der BaySF wird augenscheinlich:

  • Der Forstbetrieb Rothenbuch (Spessart)hat bayernweit überdurchschnittlich sehr alte (>180 Jahre) und alte (> 140 Jahre) Wälder sowie naturnahe Laubwälder
  • Der Forstbetrieb Ebrach (Steigerwald) hat überdurchschnittlich naturnahe Laubwälder und höheren Anteil Wälder > 140 Jahre gegenüber der BaySF-Waldfläche
  • Der Forstbetrieb Rothenbuch (nur 2 % der bayerischen Staatswaldfläche) beherbergt aber 14 % der sehr alten Wälder und 11 % der alten Wälder (> 140 Jahre) der BaySF-Waldfläche

 

Spessart Klassifierung

 

 

Bis zur Erfüllung der Ziele aus der Nationalen Biodiversitätstrategie fordern Greenpeace und andere Umweltverbände einen Einschlagsstopp in Laubwäldern die älter als 140 Jahre sind und sich im öffentlichen Eigentum befinden. Davon am stärksten betroffen sind die Gebiete Spessart und Steigerwald