Ist Privatwald im Ammergebirge betroffen?
Nein. Die Wälder im Nationalparksuchraum beschränken sich auf die öffentlichen Staatswälder die im BaySF Forstbetrieb Oberammergau (44.390 ha) bewirtschaftet werden. Die Initiative Nationalpark Ammergebirge gibt den Suchraum mit 23.000 ha an – Der Erweiterungsteil im Wetterstein ist etwa 6.800 ha groß. Die Naturwald-Studie von Greenpeace mit 17.000 ha Wald incl. des südlichen Reintales. Der in privater Hand befindliche Eibsee ist ansonsten noch inkludiert in dem Vorschlag der Initiative Ammergebirge. Der an der Grenze liegende Besitz der österreichischen Bundesforsten wird von dem Suchraum ausgespart. Dieses wäre eine Erweiterungsoption, wenn auch Österreich das Gebirgsmassiv um die Geierköpfe mit einbringen will, um eine grenzüberschreitende Nationalparklösung umzusetzen.
Für die auf den Staatswaldflächen lastenden eigentumsgleichen Altrechten für die Brennholznutzung müssten in der Pflegezone ausgewiesen werden. Es handelt sich um ca 2.000 Ster Brennholz und um 200 fm Stammholz pro Jahr. (Quelle Süß BaySF, 2009 und 2011)
Das Reintalanger ist im Besitz der Gemeinde Garmisch-Partenkirchen

Wachsen die traditionellen Almen zu?
Es gibt mehrere bewirtschaftete Almen. Die vorhandenen Lichtweiden sollen in die Managementzone integriert werden. Eine Beweidung und Offenhaltung der Flächen ist aus kulturhistorischer aber auch aus Naturschutzgründen langfristig erwünscht. Waldweiderechte sollten schon mit dem Beschluss des Landtages 1986 abgelöst werden. Innerhalb von 30 Jahre sollte nach dem Nationalpark-Vorschlag die Beweidung ausserhalb der Lichtweiden, sprich im Wald, abgelöst werden. Die Beweidung von rund 630 ha (davon knapp 200 ha Lichtweide) ist im Staatsrevier Hohenschwangau (= schwäbischer Teil des NLP) durch Pachtverträge zwischen Nutzer und den Bayerischen Staatsforsten geregelt mit einer Bestoßung von maximal 190 Rindern, d.h. Jungvieh und einige Kühe für die Versorgung der Hirten (Quelle: GREINDL, J., FB Oberammergau BaySF, 2009).
Im Landkreis Garmisch-Partenkirchen sind die privaten Weiderechte in das Grundbuch eingetragen. So sind im Werdenfels die Staatswälder, quasi genossenschaftlich organisiert, fast ganz mit Weiderechten belastet. Insgesamt sind es ca. 9.000 ha, wobei derzeit etwa 5.000 ha mit Schwerpunkt im südlichen Ammergebirge (Einhänge zur Loisach) beweidet werden mit einem Auftrieb von etwa 550 Rindern und ca. 550 Schafen (Quelle: SÜß, M., Leiter FB Oberammergau BaySF, 2009 und 2011). Addiert man dazu noch gerundete 4.000 ha für die Pufferzonen und die Objektschutzwälder, würden diese zusammen mit der aktuellen Gesamt-Weidefläche im NLP eine anfängliche Pflegezone von geschätzt etwa 9.000 ha ergeben. Damit würde die Kernzone einen Anteil von rund 60 % zu Beginn der Schutzgebietsfestsetzung einnehmen.
Klar ist aber auch, dass durch die Nationalparkverordnung Eigentumsrechte nicht angetastet werden; der Freistaat Bayern wäre ansonsten entschädigungspflichtig. Ausschlaggebend für eine konsensuale Lösung der Waldweide im Werdenfelser Teil des NLP-Projekts wird der feste politische Wille sein, einen Nationalpark „Ammergebirge“ einzurichten.

Was soll das Wildmanagement im Ammergebirge durchgeführt werden?
Im Ammergebirge gibt es große Bereiche der Schutzwaldsanierung. Hier ist Schalenwildbejagung (insb. Gamswild, Rotwild und Rehwild) wichtig um den Erfolg der Sanierungsflächen zu garantieren. Ganz besonders wichtig sind die Objektschutzwälder (Lawinenschutz oberhalb von Bebauung). Derzeit bestehen schon 6.000 ha Jagdruhezonen in Bereichen in denen der Wald nicht vor Verbiss geschützt werden muss (z.B. Friederstock, Höllentalbereich). Zum Schutz vor Verbiss im Winter sind im Nationalparksuchraum dzt. 7 Wintergatter für das Rotwild (ca 700 Tiere im Winter). Ausserhalb der Wintergatter wird mindestens ein ebenso hoher Rotwildbestand geschätzt. Die Tanne (ca 10 %) wird häufig durch Rehe verbissen.
Wintergatter gibt es bereits in anderen Nationalparken z.B. Nationalpark Bayerischer Wald – in der Pflege/Managementzone. Mittelfristig, insbesondere bei Wiedereinwanderung von Luchs und Wolf, sind solche Wintergatter zu überdenken.

Was ist mit den Skiliften – Ist Skifahren im Nationalpark erlaubt?
Bestehende Skiabfahrten und Lifte haben Bestandsschutz. Die Skigebiete von Garmisch Partenkirchen sind außerhalb der Suchkulisse des neuen Nationalparks.

Kann der Nationalpark in Zeiten des Klimawandels eine Alternative zum Skitourismus sein?
Die Einrichtung eines Nationalparks, kann auch als neue wirtschaftliche Strategie gesehen werden. Denn durch die Erwärmung des Klimas wird der Wintersport in der Region stark abnehmen. So wird auch schon mehrere Jahre in Folge der Saisonstart verschoben, da wenig oder gar kein Schnee gefallen ist. Das Ammergebirge eignet sich ideal für einen alternativen Wandertourismus, da hier ein Großteil der Hänge nicht durch den Skitourismus mit beschneiten Abfahrten und Skiliften erschlossen wurde. Nur der Skitourismus auf dem Gletscher der Zugspitze ist professionell ausgebaut. Aber die Fläche südlich der Zugspitze ist von der Nationalparkfläche ausgenommen. Durch die Klimaerwärmung werden Gebiete unter 2.000 m – und das sind die meisten bayerischen Skigebiete - enorme Probleme in Bezug auf eine sichere Schneelage bekommen. Entweder wird noch kurzfristig versucht durch Schneekanonen den Zeitpunkt einer Strukturänderung nach hinten zu schieben oder man investiert heute schon in zukunftsfähigere Konzepte. Gerade am Tourismus hängen viele Arbeitskräfte in der Region. Ein Nationalpark kann Arbeitsplätze schaffen. Das zeigen viele Beispiele aus Regionen mit Nationalparks.

Verträgt sich der Massentourismus der Königsschlösser mit einem Nationalpark?
Mit der Erweiterung um das südliche Naturschutzgebiet Schachen und Reintal würden im Nationalparkgebiet drei Königschlösser liegen - Schloss Neuschwanstein, Schloss Linderhof und das Schachen Königshaus - eingerahmt von den Ortschaften Oberammergau, Garmisch und Füssen. Die Sehenswürdigkeiten würden auch einen potentieller Namen "König-Ludwig-Nationalpark" ableiten. Neuschwanstein gehört heute zu den meistbesuchten Schlössern und Burgen Europas. Etwa 1,5 Mio Besucher kommen jährlich. Im Sommer kommen mehr als 6.000 Besucher täglich. Das Schloss Linderhof hat etwa 430.000 Besucher im Jahr und das Jagdschloss Schachen immerhin noch 11.600 Besucher im Jahr. Die meisten Besucher der Schlösser sind Tagestouristen. Hier gilt es für die Region durch zusätzliche Angebote z.B. geführte Wanderungen in den naheliegenden Nationalpark, Erlebnis-Nationalpark-Infozentren oder Nationalpark-Tiergehegezone zusätzliche Übernachtungsgäste zu gewinnen.
Die Schlösser und deren Infrastruktur sollten ausserhalb der Nationalparkfläche sein (z.B. Neuschwanstein) oder in die bewirtschaftete Erholungszone integriert werden (z.B. Schachen). Aber ein Überrennen des Nationalparks mit Massentourismuss ist nicht zu befürchten, wenn man frühzeitig Infrastrukturkonzepte plant. Beispiele aus vielen Nationalparks zeigen, dass trotz vieler Besucher sich letztendlich die meisten Besucher entlang gut ausgeschildeter Wanderrouten und spezieller Sehenswürdigkeiten bewegen. So sind zwar über 1,3 Mio Besucher im Nationalpark Bayerischer Wald zu verzeichnen, die meisten nutzen aber nur den Baumkronenpfad, die Nationalparkinfozentren, das Tierfreigelände und eine Tour zum Lusen. So bleiben viele Naturschätze nur den wirklich interessierten Besuchern vorbehalten.

Müssen Borkenkäfer bekämpft werden?
Borkenkäfer spielen nur in Fichtenbeständen eine Rolle. Insbesondere nach kleinräumigen Sturmwürfen können sich die Fichtenborkenkäfer (Buchdrucker und Kupferstecher) stark ausbreiten, falls es Temperaturen > 1 Grad länger erreicht. So sind Fichtenwälder in höheren Lagen natürlich gegen Borkenkäfer geschützt. Im Zuge der Klimaerwärmung und generelle Schwächung der Bäume durch Luftschadstoffe und lange Trockenperioden, können die Fichtenborkenkäfer größere Schäden in unteren und mittleren Lagen bis 1.500 m ü NN verursachen.
In den 500 Meter breiten Randzonen (max 1.000 Meter) zu angrenzenden Privatwäldern muss der Fichtenborkenkäfer im Nationalpark bekämpft werden. In Naturzonen wird keine Borkenkäferbekämpfung durchgeführt. Auch in den Objektschutzwäldern (Schutzwaldsanierungsbereiche) sollte ggfl. Borkenkäferbekämpfung zusammen mit einer Umwandlung in Mischwälder durchgeführt werden. Deshalb ist es wichtig betroffene Fichtenbestände im Nationalparksuchraum zu identfizieren, den Nachbarbestand einzuschätzen und dann in ein sinnvolles Zonierungskonzept einzubauen. Infos zu Borkenkäfern und Erfahrungen aus dem Nationalpark Bayerischer Wald

Steigerwald - schon geschützt?

 

Der bestehende Naturpark Steigerwald ersteckt sich über 128.000 ha. Für einen Nationalpark im Steigerwald eignet sich eine Fläche von 11.250 ha im 17.000 ha großen BaySF Forstbetrieb Ebrach an der Grenze zwischen Oberfranken (Landkreis Bamberg) und Unterfranken (Landkreis Schweinfurt & Landkreis Hassberge). Somit würde ein Nationalpark Nordsteigerwald weniger als 10 % der Fläche des Naturparks Steigerwald einnehmen.

In dem vorgeschlagenen Nationalgebiet gibt es bereits kleinere Schutzgebiete, wobei die Ausweisung als Naturschutzgebiet nicht unbedingt ordnungsgemäße Forstwirtschaft ausschließt. Der Totalschutz wird durch Naturwaldreservate gewährleistet.

 

Naturschutzgebiete (NSG):

(in den meisten Flächen ordnungsgemäße Forstwirtschaft zugelassen)

  • Spitalgrund-Obereres Volkachtal (Erlen-Eschen-Bachauenwälder): 41,6 ha bzw. 20,7 ha des Forstbetriebs (NSG-Nummer 600.047)
  • Weihergrund bei Ebrach: 24,5 ha bzw. 0,3 ha des Forstbetriebs (Nr: 400.053)
  • Weilersbach: 93,0 ha bzw. 61,0 ha des Forstbetriebs (Nr: 600.098)
  • Dolinen im Mahlholz: 31,2 ha
  • Schulterbachtal: 31,2 ha bzw. 8,4 ha des Forstbetriebs (Nr: 600.072) 
  • Spitzenberg bei Ebrach: 25,0 ha bzw. 23,2 ha des Forstbetriebs (Nr: 400.050)
  • NWR Waldhaus mit Feuchtbereich Handthalgrund 105,5 ha (Nr: 400.090)

    Steigerwald Brunnstube

Naturwaldreservat (NWR): 431 ha

  • Waldhaus (09-120) ausgewiesen 1978: 90,7 ha
    Buchenwälder bodensaure Standorte und Erlen-, Ulmen-, Auen- und Feuchtwälder
  • Zwerchstück (09-152) ausgewiesen 1998: 28,0 ha
    (Labkraut Eichen-Hainbuchenwälder) Ei-HBu-Wälder trocken-warmer Standorte u Bu-W bodensauerer
    Standorte
  • Mordgrund (09-156) ausgewiesen 1998: 24,9 ha
    Bu-Wälder und Wiesentäler
  • Brunnstube (09-121) ausgewiesen 1978: 49,9 ha
    Buchenwälder bodensaurer Standorte, Euchen-Hainbuchenwälder trocken-warmer Standorte
  • Kleinengelein (09-165) ausgewiesen 2010: 53,7 ha
    (Altbestand mit Waldmeister-Buchenwälder) Bu-Wälder basen- bis kalkreicher Standorte
  • Böhlgrund (09-165) ausgewiesen 2010: 183,4 ha
    Bu-Wälder basen bis kalkreicher Standorte, (Hangmischwälder und Schluchtwälder)

Oktober 2011: Greenpeace fragte bei den Bundesländern nach, wie es um den Zustand und den Schutz der alten Buchen- und Laubwälder in öffentlichem Besitz bestellt ist. Diese Anfragen, bei der sich Greenpeace auf das Umweltinformationsgesetz (UIG) beruft, hatten in den meisten Bundesländern bereits umfangreiche und aussagekräftige Datenlieferungen zur Folge: Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Thüringen, Baden-Württemberg, Sachsen, das Saarland, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Brandenburg schafften Transparenz im Wald. Bayern nicht

Februar 2012: Greenpeace eröffnet Waldcamp zum Dokumentieren der Buchenwälder im Spessart
Erster Zwischenbericht - Gravierende Verstöße in dem Buchenwald-FFH-Gebiet festgestellt z.B. Unterpflanzung von Buchenbeständen mit Douglasien und Kahlschläge in Buchenbeständen zur Eichensaat

April 2012: Gutachten zu Douglasienpflanzung in FFH-Gebieten
Greenpeace stellt während der Monitoring-Aktivitäten Verstöße gegen EU Recht fest und reicht eine offizielle Beschwerde bei der EU ein
Greenpeace Abschlussbericht des Monitorings im Spessart

Mai 2012: Wie kann eine Bewirtschaftung und der Schutz der Spessart-Wälder durchgeführt werden - Ein Diskussionspapier von Greenpeace stellt die Eckpunkte vor
Offener Brief von Greenpeace an die Spessart-Förster
Erste Zugeständnisse der Forstverwaltung/BaySF. Die Douglasienpflanzung wird im Spessart im FFH-Laubwald gestoppt

Mai/Juni 2012: Erste Klasse-1 Wälder (Buchenwald > 180 Jahre bzw. Eichenwald > 300 Jahre) in Bayern werden veröffentlicht - darunter auch die Spessart-Forstämter Rothenbuch, Heigenbrücken und Hammelburg (Karte der BaySF)

Juni 2012: Einschlagstopp für Klasse-1 Wälder im Spessart! Immerhin betrifft das im Spessart neben bereits als Naturwaldreservat ausgewiesenen Flächen (370 ha) weitere 1.487 ha Klasse-1 Wälder

Oktober 2012: Greenpeace setzt die Kartierung im Forstbetrieb Rothenbuch und Heigenbrücken (Spessart) fort

November 2012: Greenpeace veröffentlicht geheimgehaltende Forstkarten
Greenpeace stoppt Einschlag in 180 jährigen Buchenbeständen
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2013: Auch in weiteren Teilen des Spessarts geht die Kartierung weiter https://www.greenpeace.de/presse/publikationen/dokumentation-holzeinschlag-im-spessart

Juli 2016: Ministerpräsident Horst Seehofer verkündet die Einrichtung eines dritten Nationalparks. Der Spessart ist auf der Liste der möglichen Gebiete

November 2016: Gespräche zwischen Umweltministerium und den Landräten im Spessart über einen Nationalpark

Februar 2017: Informationsveranstaltung des Ministeriums zum möglichen Spessart Nationalpark in Aschaffenburg
Gründung der Bürgerbewegung für den Nationalpark www.freunde-des-spessarts.de

März 2017: Umfrage zu einem Nationalpark im Spessart. Eine deutliche Mehrheit von 64 Prozent der Bewohner in der Region Bayerischer Spessart und Unterfranken befürworten die Einrichtung eines Nationalparks. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Emnid-Umfrage
Details


Historische Nutzung des Spessarts

Der Spessart liegt im größten Teil des unteren Buntsandsteines. Der natürliche Waldlebensraum sind artenarme acidophile Rotbuchenwälder (Luzulo Fogions). Die Eiche besiedelt in erster Linie die sonnseitigen und wärmeren Standorte. Dort wird sie von der Buche begleitet. Auf schattseitigen Hängen tritt die Buche fast im Reinbestand auf. Neben Buche und Eiche kommen auch noch häufig Hainbuchen und viele Edellaubholzarten vor. Das Kerngebiet – das heutige Forstamt Rothenbuch - war vom Jahre 1011 Besitz der Kurmainzer Erzbischöfe, bis nach Napoleons Niederwerfung der Besitz 1814 an das Königreich Bayern ging und seit dem bayerischer Staatswald ist. Geregelte Forstbewirtschaftung findet etwa seit 1330 statt. Die Hauptnutzungsarten waren Holznutzung für die im 15 Jahrhundert entstehenden Glashütten, sowie Holznutzung der umliegenden Bevölkerung. Aber auch Waldweide (Schweinemast) und Jagd waren von hoher Bedeutung. Auf die Eichen wurde sehr viel wert gelegt, da sie wichtig für die Mast waren. 1526 wurde die Plenternutzung eingeführt, aber schon 1604 fand der Übergang zur schlagweisen Forstwirtschaft (Kahlschlag, Schirmschlag) statt. Erste Ansätze zu Holzpflege und Durchforstung gab es ab 1666 aufgrund der überhöhten Nutzung besonders auch in den Kriegszeiten und der anschließend nur spärlich aufwachsenden Verjüngung (durch enormen Wildverbiss und Waldweide). 1790 wurden bei einer Forstinventur 1.249 ha (28 %) des Revier Rothenbuchs alte Bestände (Hauptsächlich Eichenwälder und gemischte Buchen/Eichenwälder) festgestellt. 32 % der Fläche (1.401 ha) war allerdings maximal 20 Jahre alt.

1888 wurde die Bodenreinertragslehre in den Spessart getragen mit dem Ziel verstärkt Nadelholz (50%) anzubauen. Zur gleichen Zeit wurde aber auch der Femelschlag (also Nutzung kleiner Baumgruppen) eingeführt.1953 stockt die Fichte etwa auf 17% der Fläche und die Eiche etwa 23%.

Es gab auch enorm aufwendige Hofjagden. Für die Jagdfrohndienste, die die Bevölkerung durchzuführen hatte gab es als Ausgleich viele Waldnutzungsrechte die gewährt wurden. So entstanden hier die speziellen „Spessartoberholzrechte“ – die der Bevölkerung Eigenbedarf an Brennholz sichern sollte. Bis heute ist ein Großteil der Staatsfläche mit solchen Rechten belastet. Nach forstlichen Einschlägen dürfen dort dünne Äste (< 4,5 cm) für den Eigenbedarf unentgeltlich durch die Anwohner genutzt werden.

 

Was ist ein Nationalpark?
Die internationale Naturschutzunion (IUCN) beschreibt Nationalparks als großflächige natürliche oder naturnahe Gebiete oder Landschaften samt ihrer typischen Arten- und Ökosystemausstattung. Sie werden zur Sicherung großräumiger ökologischer Prozesse ausgewiesen und bieten eine Basis für Bildungs-, Erholungs- und Besucherangebote.

Wie groß wäre so ein Nationalpark?
In Bayern muss ein Nationalpark mindestens 10.000 Hektar groß sein – das ist eine Fläche von 10 mal 10 Kilometer. Das sind gerade mal 6% des gesamten bayerischen Spessarts (170.000 Hektar). Somit würde lediglich ein Bruchteil davon zum Nationalpark erklärt werden. Für einen Nationalpark sollten nur öffentliche Waldflächen ausgewiesen werden. Der Suchraum für den Schutz eines Waldgebietes von 10.000 Hektar wäre wohl vor allem im Hochspessart, in den Landkreisen Main-Spessart, Aschaffenburg und Miltenberg. Aus naturschutzfachlicher Sicht wären besonders Wälder im BaySf-Forstbetrieb Rothenbuch für die Einrichtung eines Nationalparks geeignet.

Wie wird ein Nationalpark eingeteilt?
50 Prozent einer Nationalparkfläche sollten von Anfang an als Naturzone ausgewiesen werden, um natürliche Entwicklungen und Prozesse zuzulassen. Weitere 25 Prozent der Fläche bilden eine sogenannte „temporäre Entwicklungszone“ und sollten innerhalb von 30 Jahren der Natur überlassen werden. Hier können Waldumbau- und Renaturierungsmaßnahmen durchgeführt werden. Die anderen 25 Prozent bilden die dauerhafte Managementzone (Pflege bzw. Randzone). Hier werden beispielsweise in der Randzone, falls notwendig, Borkenkäfer bekämpft oder Wildtiermanagement zum Schutz der benachbarten Flächen durchgeführt, um zu vermeiden, dass z.B. Wildschweine auf angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen große Schäden verursachen. In der Pflegezone können dauerhaft auch besondere Biotope wie Huteeichen und Magerwiesen gepflegt werden.

Welchen Nutzen haben Nationalparks für die Natur?
• Schützen naturnahe Gebiete oder Landschaften
• Fördern natürliche Entwicklung auf großer Fläche
• Lassen eine selbstständige Anpassung an Veränderungen wie den Klimawandel zu
• Erhalten die Vielfalt verschiedener Lebensräume, Arten und Gene (Biodiversität)
• Schaffen Rückzugs- und Vermehrungsgebiete für wildlebende Pflanzen, Pilze und Tiere
• Sichern ausreichende Flächen für ein dauerhaftes Überleben von Tierpopulationen die viel Platz brauchen

Welchen Nutzen haben Nationalparks für die Region?
• Erhöhen die Attraktivität ihrer Region insbesondere für Naturerleben und Erholung 
• Bieten hohe Lebens- und Wohnqualität
• Fördergelder werden bevorzugt in Nationalparkregionen investiert
• Verstärkter Ausbau der Infrastruktur, wie öffentlicher Nahverkehr und kulturelle Angebote
• Attraktivität der Region für Investoren steigt
• Schaffen neue Arbeitsplätze, beispielsweise in den Sektoren Handwerk, Einzelhandel und Dienstleister
• Steigerung des Bekanntheitsgrads und des Wiedererkennungswertes der Region
• Touristische Aufwertung der Region
• Liefern neue Erkenntnisse durch umfassende Forschungen und sind so Lernfläche für naturnahe Bewirtschaftungsweisen
• Bieten notwendige Erfahrungsräume für Umweltbildung

Wie wird die Bevölkerung beteiligt?
Die Entscheidung über einen Nationalpark trifft – im Gegensatz zu Naturschutzgebieten – der Landtag in Bayern. Im Spessart gibt es ausreichende Flächen im öffentlichen Staatswald, die sich für einen Nationalpark besonders gut eignen würden. Für die Akzeptanz vor Ort sollte bei der Auswahl der in Frage kommenden Flächen aber die Bevölkerung eingebunden werden. Wichtige Themen wie z.B. die Brennholzversorgung, Arbeitsplätze in der Forst- und Sägeindustrie, Fragen zum Pilzsammeln und Wegegeboten sowie Infrastrukturmaßnahmen für die Besucher müssen im Vorfeld beantwortet werden. Die Auswahl geeigneter Gebiete sollte über einen offenen moderierten Dialog mit allen Beteiligten getroffen werden. Die Bevölkerung wird in den verschiedenen Planungsphasen durch ihre kommunalen Vertreter aus Kreis und Kommune vertreten. Öffentlich anerkannte Verbände sowie beteiligte und betroffene Bürger müssen angehört und ihre Einwände abgewogen werden.

Welchen Einfluss haben Landkreise und Kommunen?
Nationalparks schützen nicht nur die Natur, sondern sehen sich gleichzeitig als wichtige Motoren einer naturschutzorientierten Regionalentwicklung. Daher ist eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten notwendig. Die Planungshoheit für Flächen außerhalb des ausgewiesenen Nationalparks bleibt beim jeweiligen Eigentümer, z.B. den Kommunen. In vielen Nationalparks gibt es auch einen kommunalen Nationalpark-Ausschuss, in dem Landräte und Bürgermeister der betroffenen Region sitzen und mit der Nationalparkverwaltung gemeinsam z.B. Maßnahmen und deren Umsetzung erarbeiten. Ist der Nationalpark für die Öffentlichkeit zugänglich? Nationalparke in Deutschland sind frei zugänglich und kosten keinen Eintritt. Für auswärtige Besucher und Touristen sind Lenkungsmaßnahmen aufgrund fehlender Ortskenntnis sinnvoll. Durch ein gezieltes Angebot an attraktiven Wegen, Informationen und geführten Touren sollen die Besucher die Möglichkeit haben, unberührte Natur zu erleben, ohne ihr zu schaden. Für Einheimische gelten in vielen Nationalparken alte Wegerechte weiter. Nationalparks sollen ein Ort der Begegnung von Mensch und Natur sein. Ob Waldflächen betreten oder Wanderwege verlassen werden können, kann durch die Nationalparkverordnung geregelt werden. In der Regel ist ein Betretungsverbot nicht notwendig, da der Großteil der Besucher ohnehin lieber ausgewiesene und bereits vorhandene Wanderwege nutzt. Auch in anderen Nationalparken wie Berchtesgaden oder Hainich können Besucher die Wege auch verlassen. Das Sammeln von Waldfrüchten für den privaten Gebrauch ist auch in vielen Nationalparks erlaubt. All diese wichtigen Themen müssen vor Ort mit den Menschen diskutiert und gemeinsam entwickelt werden. Verbote sollten die absolute Ausnahme sein.

Ist die Brennholzversorgung gesichert?
Für die Anrainer eines Nationalparks Spessart kann durch Holz aus der Entwicklungszone bzw. aus benachbarten Wäldern ausreichend Brennholz zur Verfügung gestellt werden. Für die Nationalpark-Planungskulisse können unter Beteiligung der Bevölkerung detaillierte Brennholzkonzepte erarbeitet werden, die gewährleisten, dass der Brennholzbedarf für die örtliche Bevölkerung in naher Entfernung auch weiter gedeckt wird. Auch für die besonderen Spessart-Holzrechte muss eine annehmbare Lösung gefunden werden.

Wie sind die Auswirkungen auf die Holzwirtschaft?
Natürlich werden Waldflächen aus der Holzproduktion genommen, aber nicht von heute auf morgen. Bei einem potenziellen Nationalpark von 10.000 Hektar Größe würden 5.000 Hektar mit Einrichtung bzw. innerhalb von 30 Jahren 7.500 Hektar Waldfläche aus der Nutzung genommen. Auf den restlichen 2.500 Hektar Fläche - in der sogenannten Pflege- oder Managementzone - wäre eine Holznutzung weiterhin möglich, soweit sie mit den Schutzzielen des Nationalparks übereinstimmt und diesen dient. Die holzverarbeitende Industrie hat 20 bis 30 Jahre Zeit, sich auf Veränderungen hin zu den kleineren bewirtschafteten Flächenanteilen innerhalb des Nationalparks einzustellen. Die Sägebetriebe die direkt Holz aus der betroffenen Fläche im Spessart beziehen, müssen mit den benötigten Holzsortimenten und Mengen identifiziert werden und alternative Belieferungsmöglichkeiten in der Region gefunden werden. Zusicherungen über Mengen und Marktpreise gibt es auch in anderen Nationalparkregionen.

Bleiben die Arbeitsplätze erhalten?
Arbeitsplätze in der Forstverwaltung fallen durch einen Nationalpark nicht weg, sondern gehen in eine Nationalparkverwaltung über. Die Entwicklung des Nationalparks benötigt auch weiterhin qualifizierte Förster und Waldarbeiter. Fachkräfte werden langfristig zur Betreuung der Managementzone des Parks gebraucht. Beispiele anderer Nationalparks in Deutschland zeigen, dass durch diese mehr Arbeitsplätze geschaffen wurden, als verloren gingen.

Bleiben die Spessartwanderwege?
Der Spessartbund betreut im Spessart 5.500 km Wanderwege. Die im Nationalpark liegenden Wanderwege sollten sinnvoll in das Nationalparkkonzept integriert werden. Nach Medieninformationen (www.spessartbund.de 12.2016) will der Spessartbund auch weiterhin im Nationalpark für die Wanderwege eine führende Rolle übernehmen.


Weiterführende Informationen

Infos der Staatsregierung zum Auswahlprozess
Webseite der Bürgerbewegung für den Nationalpark

Was steht bereits unter Schutz?

Bislang gibt es nur wenige kleine Schutzgebiete - Naturwaldreservate (NWR), Naturschutzgebiete (NSG) wie

  • NSG-Hafenlohrtal, 71 ha seit 1988
  • NSG Metzgergraben – Krone, 7 ha seit 1992. Alleine hier wurden 167 xylobionte Käferarten in den am Hang liegenden Reste eines ehemaligen lichten Eichen-Buchen-Mischwaldes gefunden. Der Eichenanteil ist hier sehr hoch und es gibt einzelne Methusalembäume – Alteichen bis über 600 Jahre
  • NSG/NWR Eichhall, 72 ha, seit 2002 Einstellung der Holznutzung und 2005 Unterschutzstellung. Ist ein kleiner Rest ehemals 500 ha großen Eichenwaldes (Eichenheisterblock). Hier wurden 222 xylobionte Käferarten – davon 80 stark gefährdete Arten - gefunden. Es ist ein Rückzugsraum für den bekannten Hirschkäfer und den Eremiten
  • NSG Rohrberg, 9 ha seit 1979. Mit den ersten Unterschutzstellungen im Jahre 1928 ist es das älteste bayerische Schutzgebiet. Es beinhaltet den ältesten Bestand lichter Eichenwälder mit Einzelexemplaren zwischen 500 und 800 Jahren. Unter den 167 xylobionten Käferarten wurden 10 Urwaldreliktarten hier nachgewiesen
  • NSG/NWR Hoher Knuck, 121 ha seit 1952
  • NSG Weihersgrund, 42 ha seit 1998
  • NSG Auenwald bei Erlenfurt, 10 ha seit 1991
  • NWR Gaulkopf, 62 ha
  • Fast das gesamte Gebiet wurde ausserdem als Flora-Fauna-Habitat-Gebiet (FFH) der EU unter Natura2000 gemeldet. Das FFH-Gebiet Hochspessart (Gebietsnummer: 6022-371) hat eine Fläche von 17.415 ha mit dem Ziel des Erhalt bzw. Wiederherstellung der großflächigen bodensauren Buchenwälder des Bundsandsteins im Spessart. Besonders wichtig sind unzerschnittene, störungsarme, strukturreiche, alt- und totholzreiche Wälder (insbesondere Laubwälder) mit einem ausreichend hohen Angebot an Baumhöhlen und natürlichen Spaltenquartieren - die erhalten werden sollen. Diese Lebensräume sind besonders wichtig für die seltene Bechsteinfledermaus, Große Mausohr, Hirschkäfer und Eremit

Nur in den Naturwaldreservaten (NWR) ca 300 ha wurde der Holzeinschlag komplett eingestellt. Naturschutzgebiete (NSG) können - je nach individueller Verordnung - auch genutzt werden. Teilweise wird hier aus Gründen spezielle Arten zu erhalten, sogar eingegriffen; Beispielsweise durch Offenhalten von wertvollen Wiesen, wie im NSG Hafenlohrtal. Bei FFH-Gebieten ist Nutzung grundsätzlich erlaubt, es gibt nur ein Verschlechterungsverbot auf Basis des angegebenen Schutzzieles. Ein Naturpark hat keinerlei Auswirkung auf die Holznutzung - Bei Naturparken steht Tourismus, Erholung, Kulturlandschaftsschutz und Bildung im Vordergrund - im Gegenteil zu Nationalparks wo die natürlichen Prozesse auf großer Fläche Vorrang haben.