Energiewende schafft Arbeitsplätze

 

München, 1. Mai 2017. Greenpeace München nahm den Tag der Arbeit zum Anlass über die Bedeutung der Energiewende zu informieren. Diese ist zwingend notwendig um nachfolgende Generationen vor den lebensgefährlichen Folgen des Klimawandels zu bewahren.

 

 

Dass die Energiewende sein muss wird kaum noch angezweifelt. Jedoch mangelt es an der Umsetzung. Allzu oft wird der Verlust von Arbeitskräften als Argument dagegen verwendet. Tatsächlich entstehen durch erneuerbare Energien mehr Arbeitsplätze als durch den Abbau von Kohlekraftwerken verloren gehen. Auch die Konkurrenzfähigkeit im internationalen Wettbewerb wird gegen die Energiewende ins Feld geführt, da die Preise pro Kilowattstunde bei fossilen Energien günstiger seien. Enthielten die Marktpreise die Gesundheits- und Umweltschäden, wären die erneuerbaren Energien preislich klar im Vorteil.

 

Experten des Fraunhofer-Instituts haben 2014 in einer Studie errechnet, dass Investitionen in die Energiewende rentabel sind. In ca. 20 Jahren wird der Punkt erreicht sein, an dem die Marktpreise für Strom aus erneuerbaren Energien niedriger sind als die für Kohle und Öl. Ein Teil der Stromkonzerne in Europa scheint das Ende der Kohleverstromung verstanden zu haben. Eurelectric, der Verband europäischer Stromerzeuger, wird ab 2020 nicht mehr in den Neubau von Kohlekraftwerken investieren.

 

Auf der Klimakonferenz 2015 in Paris einigten sich die Länder die Erderwärmung unter zwei, nach Möglichkeit anderthalb, Grad Celsius zu halten. Gelingt dies nicht, sind gewaltige Dürren, Hungersnöte und kriegerische Auseinandersetzungen unvermeidlich.

 

Wer kann verantworten, Gesundheit und Leben der Menschen aufs Spiel zu setzen um den eigenen Profit oder den augenblicklichen Arbeitsplatz zu sichern?

Suchraum Donauauen im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen
Es gibt im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen den Vorschlag die wertvollen Donauauen auszuweisen. In den Auen an der Donau und Isar mit ihren Hangwäldern gibt es große Hartholz-Auwälder an Donau im Bereich Neuburg. 11 Urwaldreliktarten kommen an der Donau vor.  Auen und Flüsse brauchen zur Entwicklung der vollen aue-typischen Sturktur- und Artenvielfalt die Dynamik des Flusses. Wie kein anderer Lebensraum sind Flüsse und Auen dynamische Ökosysteme von extrem Standortvielfalt. Von Nass bis trocken und Pioniervegetation bis zu reifen Auwäldern. Ihre Begradigungen hat zu einer erheblichen Einschränkung der natürlichen Dynamik und infolge dessen zu einem massiven Rückgang typischer Arten und Lebensräumen geführt. Ohne die Flussdynamik gleichen sich die vielfältigen, immer neu geschaffenen und umgestalteten Flächen an und unterliegen der ungestörten Sukzession zum Landwald.

Aufgrund aktueller Beeinträchtigungen durch Staustufen wäre eine Aufteilung auf mehrere Teilgebiete notwendig.

Allerdings sind hier die Donauauen recht schmal und kleinteilig für einen Nationalpark. Auch die Fläche reicht hier nicht – So müsste vermutlich Privatwald getauscht werden um die 10.000 ha zu erreichen. Hier würden sich andere Schutzgebietsformen besser eigenen.

Welche Gebiete sind bereits unter Schutzkategorien? 

  • FFH-Gebiet Dona mit Jura-Hängen zwischen Leitheim und Neuburg 3.282 ha und der östliche Teil: Donauauen mit Gerolfinger Eichenwald, 2.926 ha.


Naturschutzgebiete:

  • Vogelfreistätte Feldheimer Stausee 99,68 ha
  • Donaualtwasser Schnödhof 82,4 ha
  • Donaualtwasser bei Leitheim 57,96 ha
  • Kreut 180,26 ha
  • Finkenstein 7 ha

 

Suchraum Kehlheim
Großflächige naturnahe Buchen-Fichten-Mischwälder sind ein Markenzeichen des Kehlheimer Staatswaldes. Weißtanne, Jura-Kiefer, Elsbeere, Ahorn, Esche und viele andere bereichern die Buchen-Fichten-Bestände im Kelheimer Jura. 17.900 ha Wald betreut der BaySF-Forstbetrieb Kehlheim. Ein Großteil der Staatswaldungen (11.650 ha) erstreckt sich zusammenhängend nordwestlich der Stadt Kehlheim wischen Riedenburg und Painten. Hienheimer Forst, Frauen- und Paintner Forst. Der Paintner Forst hat aber auch große Anteile an Fichtenwäldern. Der Stadtwald Kehlheim hat 257 ha nördlich dem Frauenforst/Paintnerforst. Dazu gehören auch noch in Richtung Weltenburg der Spitalstiftungswald mit 27 ha und 50 ha Gemeindewaldungen, die in den Besitz der Stadt Kehlheim übergingen.

In dem Hienheimer Forst und Weltenburger Enge kommen großflächige Laubwaldgebiete vor.

http://www.mittelbayerische.de/region/kelheim/gemeinden/kelheim/staatswald-als-neuer-nationalpark-22796-art1483854.html

Bestehende Schutzgebiete:
Naturschutzgebiete (947 ha im Forstbetrieb, gleichzeitig auf FFH):

  • Weltenburger Enge mit 559,25 ha. Bereits 1840 hatte König Ludwig I. von Bayern den Schutz der Weltenburger Enge angeordnet. Im Jahre 1938 wurde das Gebiet als eines der ersten Naturschutzgebiete in Bayern ausgewiesen. Als Schutzgebiet von europäischem Interesse wurde der Weltenburger Enge als bisher einziges Naturschutzgebiet in Bayern bereits 1978 das „Europadiplom“ verliehen. (Kahlschläge untersagt)
  • Hirschberg und Altmühlleiten 374,98 ha (viele Ausnahmen zur forstlichen Nutzung möglich)
  • Schulerloch 12,6 ha
  • Ludwigshain 2,16 ha (keine forstliche Nutzung)
  • Klamm und Kastlhäng 250 ha (nur im NWR keine forstliche Nutzung)
  • Schloss Prunn 77 ha (Kahlschläge untersagt)

Naturwaldreservate (221 ha im Forstbetrieb, gleichzeitig auch NSG):

  • NWR Platte 33,9 ha und
  • NWR Donauhänge mit 39,7 ha im Hienheimer Forst und
  • NWR, Knittelschlag 18,4 ha, im Frauenforst
  • NWR Klamm 19,9 ha (Riedenburg)
  • NWR Bruckschlägelleite 42 ha
  • NWR Hammerleite 29 ha
  • Große Flächen sind im Naturpark Altmühl mit 296.617 ha

FFH-Gebiete (im Forstbetrieb 3.997 ha):

  • Donauauen zwischen Ingolstadt und Weltenburg 2.766 ha
  • Frauenforst östlich Ihrlerstein und westlich Dürnstetten 334,53 ha
  • Hienheimer Forst östlich und westlich Schwaben 1188,99 ha
  • Weltenburger Enge, Hirschberg und Altmühlleiten 934 ha

Aber insgesamt auf 10.000 ha zu kommen wird schwierig, insbesondere wenn nur öffentliche Wälder dafür zur Verfügung stehen. Auch weil hier viele Fichtenbestände (44 % im Forstbetrieb) vorhanden sind. Alte naturnahe Waldbestände sind gerade mal auf 1,5 % der Fläche zu finden, ältere (>140 Jahre) naturnahe Waldbestände auf 3,1 % der Forstbetriebsfläche.

Siehe Naturschutzkonzept des Forstbetriebes: http://www.baysf.de/fileadmin/user_upload/01-ueber_uns/05-standorte/FB_Kelheim/15_05_20_Endfassung_NSK_FB_Kelheim_.pdf

 

Europarc Deutschland bewertet eine Umsetzung eines Nationalparks in den Auwäldern bzw. dem Weltenburgerbereich kritisch, da nicht die notwendige Mindestgröße von 10.000 ha in einer annähernd kompakten Flächenform zusammenkommt. (Sinner bei Landtagsanhörung 16.2.2017)

Wie erfolgt die Forstwirtschaft im Spessart?
Dass die jungen Eichen von heute ähnlich weit in die Zukunft schauen dürfen ist nicht zu erwarten. Die bayerischen Staatsforsten (BaySF) bewirtschaften seit 2005 die mehr als 700.000 Hektar öffentlichen Waldes als profitorientiertes Unternehmen. Die öffentlichen Wälder, die den Bürgerinnen und Bürgern Bayerns gehören, müssen nun in erster Linie Gewinn abwerfen. Dies hat nicht nur dramatische Konsequenzen für den Wald, sondern auch für die Menschen, die ihn lieben.

Zehn Prozent der Stellen wurden seitdem abgebaut, dabei wurden auch Forstämter zusammengelegt und rund ein Drittel der Forstamtsleiter wegrationalisiert. Dies alles wurde damit begründet, dass der Haushalt des Landes davon profitiere. Aber gleichzeitig wurden langfristige Verträge geschlossen, die für das Land Bayern extrem ungünstig sind. Denn dem Sägewerk Klausner (mittlerweile vom russischen Konzern Ilim Timber gekauft) wurden vertraglich 500.000 Festmeter Nadelholz zu Festpreisen weit unter dem Marktwert zugesichert. Damit gehen dem Landeshaushalt Millionen verloren und die lokalen Sägewerke kämpfen ums Überleben. Unter diesen Knebelverträgen und Rationalisierungsmaßnahmen leidet natürlich auch der Wald.

Ein Bürger im Spessart berichtet: „Heute ist es so, dass die Holzernte möglichst rationell und billig durchgeführt bzw. an Unternehmer vergeben wird. Als Folge davon sind in den Staatswäldern fast aller Regionen Mängel festzustellen: Dies reicht von Kahlschlägen über zu starke Holzeinschläge in alten Laubwäldern und massive Bodenschäden durch die hoch mechanisierte Holzernte bis hin zum Einschlag von Biotopbäumen. Der Holzeinschlag wird in der Regel ganzjährig durchgeführt, ohne Rücksicht auf Brut- und Aufzuchtszeiten. Harvester-Einsätze und Holzabfuhr erfolgen rund um die Uhr, also auch nachts.“


Wie erfolgt/e die Eichenbewirtschaftung im Spessart?

Die Nachhaltige Nutzung der Eiche wurde nur auf die Baumartenfläche, aber nicht auf den Focus Funktionsträger Alteiche gelegt.
Der Alteichenvorrat lag bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts um ein Vielfaches höher als heute. Der Vorrat heutigen Uralteichen, ist aus dem Zeitraum 1600 bis 1700. Viele Alteichen wurden dann seit Beginn der bayerischen Zeit um 1814 systematisch abgebaut. Dieser Prozess setzte sich bis in die jüngste Vergangenheit fort und erreichte im Zeitraum zwischen 1960 und 1980 nochmals einen traurigen Höhepunkt. Bei den jährlichen Werteichen-Versteigerungen wurden seinerzeit Tausende Festmeter der uralten Baumveteranen auf riesigen Holzlagerplätzen zum Kauf angeboten.

Das Ergebnis dieses lukrativen Geschäftes war nicht nur ein gewaltiger Aderlass bei den berühmten Spessarteichen, sondern deren weitgehendes Verschwinden aus unseren heimischen Wäldern.
Damit verbunden war ein enormer Verlust an Biotopqualität und eine Missachtung des Prinzips der ökologischen Nachhaltigkeit. Immerhin konnten die unterfränkischen Furnierwerke damals aus dem Vollen schöpfen. Heute beklagen sie das zurückgehende Angebot dieser wertvollen Alteichen und suchen die Schuldigen nun beim Naturschutz.
Das Unternehmensziel der Bayerischen Staatsforsten besteht nicht darin, ökologisch hochwertige, alte Wälder zu produzieren, sondern starkes, gesundes Holz in möglichst kurzer Zeit zu ernten.

Die Methoden der Eichennachzucht hatten schon immer extrem schädliche Folgen für Natur und Umwelt. Das klassische Verfahren im Spessart waren ca. drei Hektar große Kahlschläge mit nahezu vollständiger Beseitigung der gesamten Biomasse, eine ganzflächige Bodenbearbeitung nach landwirtschaftlichem Muster und die anschließende Eichelsaat. Im Gefolge weiterer Eichenmasten wurde eine Eichenkultur an die andere gereiht, bis ganze Hangflanken ihrer Altbestände beraubt waren und ein Kunstprodukt entstand, das eher großen Maisschlägen als einem Wald glich.

Außerdem hat die großflächige Eichennachzucht im Spessart den Lebensraumtyp des hier natürlichen Hainsimsen-Buchenwaldes erheblich geschmälert. Erst durch die Ausweisung des Hochspessarts als FFH-Gebiet wurde die Schutzwürdigkeit der Buchenwälder endlich anerkannt und gewürdigt.


Neuerdings verzichtet der Forstbetrieb Rothenbuch in Eichenbeständen sogar auf ein Totholzkonzept, nur weil wirtschaftliche Schäden wegen des Eichenprachtkäfers befürchtet werden. Damit wird ein wesentliches Strukturelement naturnaher Wälder ausgeschaltet und der Naturschutz nicht in die Forstwirtschaft integriert, sondern ausgeschlossen. Gleichzeitig verschließt man die Augen davor, dass in Massen auftretende Schädlinge gewissermaßen den Finger in die Wunde legen, die der Mensch dem Wald durch unökologische Waldbaumaßnahmen zugefügt hat.
Allein diese schwerwiegenden Folgen der Eichenwirtschaft im Spessart sollten Grund genug sein, sich bei der Verarbeitung von Eichenholz nicht auf ein ökologisch hoch wertiges Qualitätsprodukt zu berufen und mit Stolz darüber zu reden.
Seit 1960 sind aber auch die neu entstandenen Eichenkulturflächen um 90 % zurückgegangen. Gründe waren sicher auch die sehr aufwändigen Eichenkulturen (Grubbern, Zäunen, Buchen-zurückdrängen) in einem buchendominierten Wald, aber auch weil andere ökonomisch rentablere Baumarten wie die schnellwachsende Douglasie aus Nordamerika mehr in den Vordergrund der Forstwirtschaft gerückt ist.


Wenn der Nationalpark kommt verschwindet die Eiche?
Die Eiche wäre von Natur aus nicht im gesamten Buntsandstein-Spessart vorhanden. Die Eiche kommt im Spessart an warmen Standorten, z.B. trockenen Südhängen vor. Hier kann sie sich auch gegenüber der Rotbuche durchsetzen. In vielen Waldgebieten wo die Eiche nicht optimal wächst, wird sie künstlich durch die Forstwirtschaft gefördert, damit sie nicht von den dort natürlich wachsenden Rotbuchen überwachsen wird. Wobei andere Untersuchungen in Buchen-Eichenreservaten Deutschland im Zeitraum 1970 – 2012 unterstützen diese weitverbreitete Experteneinschätzung nicht.

Nicht in Jahrzehnten sondern erst in Zeiträumen von rund 250 – 350 Jahren wäre hier mit einem Eichenausfall zu rechnen, selbst wenn keine weiteren Klimaänderungen oder Störungsereignisse (wie Sturmwürfe, die Eiche begünstigen würde) eintreten. (Siehe Studie Prof Dr. J. Müller). Die Traubeneiche hat eine ähnliche Höhenentwicklung wie die Rotbuche. Herrschende Alteichen werden kaum noch von Rotbuchen überwachsen. Daher kann hier nicht von einem Verschwinden der Eiche in Wäldern über 250 Jahre ausgegangen werden.

Dies kann man auch im Naturwaldreservat Eichhall sehen. Hier wurde vor 15 Jahren der letzte geschlossene, von Uralteichen geprägte Eichen-Buchenbestand als Totalreservat ausgewiesen. Trotz einer Mischungsverteilung von ca 50 % Buche und 50 % Eiche kam es bisher nicht zu einem Rückgang der Eichen.

Im Spessart ist aber noch eine andere Situation zu berücksichtigen. Die alten Lichteichenwälder des Mittelalters wie im Naturschutzgebiet Rohrberg haben einen Hutewald-artigen Charakter mit niedrig angesetzten Kronen und niedrige Baumhöhen. Diese seltenen historischen Bestände sind jüngeren Buchen unterlegen. Diese Einzel-Bestände sollten in einem Nationalpark in der Pflegezone liegen, damit die Zurücknahme der Buche sichergestellt ist.
In bereits bestehenden Eichenbeständen mit älteren Eichen ist dies jedoch ein äußerst langwieriger Prozess, den die meisten von uns nicht mehr erleben werden. Eichen können von Natur aus mehrere hundert Jahre (500 – 600 Jahre) alt werden, während sie in bewirtschafteten Wäldern verhältnismäßig jung geerntet werden.

Das aus ökonomischen Betrachtungen resultierende Bewirtschaftungskonzept im Staatswald sieht vor, dass Eichen spätestens im Alter von 230 Jahren geerntet werden. Etliche bedrohte Arten, die Forscher im Spessart ausgemacht haben, wurden daher vor allem in den wenigen Naturschutzgebieten und Naturwaldreservaten im Spessart gefunden, dort also, wo die Motorsäge ruht und die Eichen in größerer Zahl wirklich alt werden dürfen.
Nahezu alle von der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft in Bayern (LWF) belegten Funde sehr seltener Arten, darunter mehrere spektakuläre Urwaldreliktarten, stammen aus dem 350 bis 400 Jahre alten Eichen-Heisterblock und aus den Naturschutzgebieten Rohrberg, Eichhall und Metzgergraben-Krone. Berühmtheit hat dieses zusammen etwa 400 Hektar große Waldgebiet nur wegen seiner absoluten Seltenheit im deutschen Wald erlangt. Aktuell befinden sich dort nur noch Alteichen >300 Jahren auf insgesamt rund 200 ha. 
Diese Vorkommen In diesem Sinne sind solche „Prunkstücke“ weniger ein Ruhmesblatt als vielmehr ein Armutszeugnis für die Forstwirtschaft.


Der restliche, rund 7000 Hektar große Eichenbestand des Spessarts ist selten über 200 Jahre alt und hebt sich hinsichtlich seiner Artenvielfalt kaum von durchschnittlichen Verhältnissen ab.  Tatsächlich sind die wenigen Hotspots der Artenvielfalt räumlich isolierte und deshalb genetisch instabile Teilpopulationen, die bei Fortsetzung der regulären Forstwirtschaft auf das äußerste bedroht sind. Ein Nationalpark im Spessart würde die besten Voraussetzungen schaffen, um eine kohärente Vernetzung nicht mehr überlebensfähiger Teilpopulationen sicherzustellen. Die flächenmäßige Ausstattung der einzelnen Altersklassen im Eichenwirtschaftswald lässt diese Möglichkeit nämlich nicht mehr zu. Grund dafür ist eine ausgeprägte Lücke in der Altersstufe zwischen ca. 220 und 350 Jahren. In dieser für die Artenvielfalt entscheidenden Altersphase finden sich nahezu keine Eichenbestände.

In einem Nationalpark dürften heranwachsende Eichen und auch alte Eichenbestände also (rechtlich abgesichert) älter und dicker werden, als in einem bewirtschafteten Wald.
Die Eiche kommt von Natur aus nicht als Reinbestand in den Hainsimsen-Buchenwäldern (Luzulo-Fagetum) vor, sondern ist mit beteiligt. Von Natur aus wäre der Eichenanteil etwa bei 2-3 % im Bundsandsteil-Spessart. Heute liegt der Eichenanteil im Spessart durch Kahlschlagsverfahren und Eichensaat sowie intensive Pflege bei etwa 25 %. Auch in einem Nationalpark wird die Eiche nicht verschwinden, denn zum einen ist ein Nationalpark nur auf einem kleiner Fläche im Spessart angedacht, zum anderen wird es auch in dem Schutzgebiet Flächen geben die für die Eiche geeignet sind. Innerhalb der Kernzone wird der Eichenanteil sich jedoch im Laufe der Zeit reduzieren.


Oft wird angeführt dass die Eiche sehr wichtig für den Artenschutz sei. Sie hat auch viele abhängige Insektenarten, die an ihrer rauen Borke idealen Platz finden. Aber auch die Rotbuche bekommt im Alter eine sehr rissige raue Borke – wenn man nur lang genug wartet - bietet die Rotbuche ebenfalls viele Lebensräume für seltene Arten. Für viele Insektenarten sind alte, dicke Bäume, die natürlich zerfallen dürfen wichtiger als die Bindung an eine bestimmte Baumart.

In ihrem Beitrag „Die Buche in Mitteleuropa“ (AFZ - Der Wald 13/2005) heben die Autoren Ch. Kölling, H. Walentowski und H. Borchert diesen Aspekt besonders hervor, wenn sie schreiben: “Verschiedene Tierarten, die früher fälschlich als „Eichenwaldarten“ galten, wie der nach der FFH-Richtlinie prioritäre Eremit (Osmoderma eremita), der Mittelspecht (Dendrocopus medius) oder der Halsbandschnäpper (Ficedula albi-ollis), kommen auch in starken Populationen in alten Buchenwäldern vor. Diese sind aber so selten geworden, dass bislang die Vorkommen in Eichenwäldern als „typischer“ galten. Man spricht deshalb von einem katastrophalen Mangel an reifen Buchenbeständen und meint damit Buchenwälder in der Zerfallsphase“. Vor diesem Hintergrund sollte man darauf verzichten, die beiden Hauptbaumarten des Hochspessarts im Hinblick auf die Wertigkeit ihrer Biozönosen gegeneinander auszuspielen. Beide haben ihren eigenen Wert und beide leiden unter den lebensverkürzenden Eingriffen der Forstwirtschaft.

Das Ministerium hat im Rahmen der Nationalparkdiskussion weiterhin zugesagt, wertvolle Alt-Eichenbestände im Spessart zu erhalten durch die entsprechende Auswahl der Pflegezone. Solitäre Huteeichen mit ihrer besonderen ästhätischen und naturschutzfachlicher Qualität sollen besonders geschützt werden. (www.spessartbund.de, 14.12.2016)
Eine gute wissenschaftliche Expertise von Prof Dr. Jörg Müller zu der Problematik ist zu finden unter http://www.np3.bayern.de/images/np3_spessart_expertise.pdf
Die Studie kommt zu der Aussage dass ein Nationalpark die alten Bäume insbesondere die Eichen vor einer weiteren Übernutzung schützen würde. In nur 100 Jahren ist mit einer Verdopplung der Fläche an Alteichen mit einem Alter von über 300 Jahren zu rechnen.


Müssen Forstschädlinge bekämpft werden?
Der Eichenwirtschaftswald im Spessart ist alles andere als ein intaktes Waldökosystem. Ganz im Gegenteil ist er ein höchst anfälliges Kunstgebilde, das nur im ständigen Reparaturbetrieb aufrechterhalten werden kann.

Um es zu erhalten, wurden seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts in unregelmäßigen Abständen Insektizide gegen blattfressende Schmetterlingsraupen aus Luftfahrzeugen versprüht. Noch im Jahr 1959 wurde bei einer Eichenwickler-Bekämpfung im Hochspessart das extrem giftige DDT eingesetzt und dabei nachweislich auch das Naturschutzgebiet Rohrberg nicht verschont. Später folgten mehrere Bekämpfungsaktionen mit Dimilin, das die Häutung von Insektenlarven verhindert und sie somit zum Absterben bringt.

Grundsätzlich werden in der Naturzone keine Eingriffe durchgeführt. In der Rand- und Entwicklungszone können Maßnahmen durchgeführt werden zum Schutz der aussenliegenden Privatwälder. Gifteinsatz ist im Nationalpark verboten. Die Maßnahmen werden meist durch Einschlag der betroffenen Bäume durchgeführt. Im Spessart dominieren Buchen, die keine Massenverbreitung von „Forstschädlingen“ verursachen. Bei Fichtenbeständen in der Randzone sollte der Borkenkäfer kontrolliert werden. Im Spessart gibt es aber auch einige großflächige Eichenbestände. Bei der Eiche sind Schwammspinner (Lymantria dispar) sowie der Zweipunkt-Eichenprachtkäfer (Agrilus biguttatus) relevant. Beim Eichenprozesssionspinner sind durch die giftigen Raupenhaare auch die gesundheitlichen allergischen Reaktionen zu beachten.

Was sind die besonderen Spessart Oberholzrechte?

  • Die lokale Besonderheit im Spessartraum stellt das Spessartrecht dar. Es umfasst alle Forstberechtigungen im Staatswald des Spessartraumes und zählt zu den selteneren subjektiv-persönlichen Rechten. Es steht der berechtigten Gemeinde für ihre Einwohner zu und ist nicht mit Eigentum an einem Grundstück verknüpft. D.h. dass auch jeder zugezogene Neubürger automatisch auch zum Rechtler wird, zumindest wenn er eine Feuerstätte besitzt. Die belasteten Flächen sind im Eigentum des Freistaates (verwaltet durch die Bayerischen Staatsforsten (BaySF)) und auch im Grundbuch sind die Spessartrechte den jeweiligen Flächen zugeordnet.
  • Sobald in den Waldabteilungen der beteiligten Forstbetriebe die Holznutzungen durchgeführt wurden, werden die Hiebe innerhalb von 3 Wochen nach Hiebsmaßnahme zur Oberholznutzung freigegeben. Die Nutzung der Oberholzrechte ist zwischen dem 15.11. und 30.04. in zwei je dreiwöchigen Nutzungsfristen erlaubt.
  • Das Oberholz (Äste bis 4,40 cm Durchmesser) kann unentgeltlich nur für Eigenbedarf (max 30 Ster pro Jahr und Rechtler) verwendet werden. Jeder berechtigten Gemeinde ist im Spessart eine bestimmt Fläche des Staatswaldes zugeordnet; verwaltet werden diese Flächen im Spessart durch die Forstbetriebe Rothenbuch, Heigenbrücken sowie teilweise Hammelburg.
  • Berechtigte Gemeinden:
    • Kreis Miltenberg: Altenbuch, Faulbach
    • Kreis Aschaffenburg: Bessenbach, Heigenbrücken, Heinrichsthal, Hösbach-Rottenberg, Laufach, VG Mespelbrunn, Rothenbuch, Sailauf, VG Schöllkrippen (ohne Krom- und Blankenbach), Waldaschaff, Weibersbrunn
    • Kreis Main-Spessart: Bischbrunn, Esselbach (ohne Kredenbach), Frammersbach, Gemünden-Langenprozelten, Lohr-Ruppertshütten, VG Partenstein, Rechtenbach, Schollbrunn
  • Gute Infos zu den Holzrechten hier

Was passiert in einem Nationalpark mit den Oberholzrechten?
Im Forstbetrieb Rothenbuch werden jährlich nur 10 – 30 Hiebe von insgesamt 80 - 100 Einschlagsgebieten für die Rechtler freigegeben. Schon jetzt wird in der Praxis Pragmatismus geübt: Um in manchen Gebieten das Naturzschutzziel (z.B.: Totholzanreicherung) zu erreichen verzichten Rechtler auf bestimmte Flächen, dafür lassen die Forstleute auf anderen Flächen auch mal stärkeres Holz übrig, als es ihre Pflicht ist. Wieviel der Rechtler auch heute noch das Recht ausüben ist nicht bekannt. Für Rothenbuch spricht man von 5 bis 30 aktiven Rechtlern (Quelle: EchoMain12.12.2016)

Wie man mit den Rechten umgeht, ob sie abgegolten werden wie die Streu- und Weiderechte in den Jahren 1963/1964, Ersatzflächen (z.B. im umliegenden Staatswald oder in der Nationalpark-Entwicklungs- und Pflegezone, wie im Nationalpark Hunsrück) bereitgestellt werden, attraktiveres stärkeres Holz in anderen Flächen angeboten wird oder andere Kompromisse gefunden werden können muss vor Ort mit den betroffenen Bürgern diskutiert werden. Vermutlich wird es da nicht nur eine pauschale Lösung geben können, sondern muss sehr individuell vorgegangen werden.
Die speziellen Oberholzrechte (bis 4,40 cm Durchmesser) spielen bei der Brennholzversorgung der Bevölkerung eine eher untergeordnete Rolle, denn die meisten Rechtler verwenden in Ihren Kaminen gerne auch dickere Holzscheite. Aber hier geht es um verbriefte Rechte und aus dem Grund um ein wichtiges Thema bei Schutzgebietsausweisungen. Hier ist ein Konzept mit den betroffenen auszuarbeiten. Vorstellbar ist dass hier Vergünstigungen bei der grundsätzlichen Brennholzbeschaffung (auch oberhalb der 4,40 cm) für die Rechtler im angrenzenden Staatswald geschaffen werden. Mit einem Nationalpark ist ja nur eine kleine Fläche von 10.000 ha betroffen, und auch hier ist nur eine Kernzone von Anfangs 5.000 ha bis innerhalb von 30 Jahren 7.500 ha nutzungsfrei auszuweisen. In der Managementzone wären Rechtlernutzungen vorstellbar.

In den jüngsten deutschen Nationalparken Hunsrück und Schwarzwald werden auf Basis von Gutachten regionale Brennholzkonzepte erfolgreich umgesetzt.

Soll der gesamte Steigerwald Nationalpark werden? 
Der bestehende Naturpark Steigerwald ersteckt sich über 128.000 ha. Für einen Nationalpark im Steigerwald eignet sich eine Fläche von 11.250 ha im 17.000 ha großen BaySF Forstbetrieb Ebrach an der Grenze zwischen Oberfranken (Landkreis Bamberg) und Unterfranken (Landkreis Schweinfurt & Landkreis Hassberge). Somit würde ein Nationalpark Nordsteigerwald weniger als 10 % der Fläche des Naturparks Steigerwald einnehmen.

Warum ist der Steigerwald so besonders?
Der Nördliche Steigerwald beheimatet für Bayerns Wirtschaftswälder überdurchschnittlich alte Buchenbestände, die zu den ökologisch wertvollsten in Deutschland gehören. Nur sieben Prozent der Forstbetriebsfläche sind naturferne Fichtenbestände. Der Steigerwald wurde in mehreren Studien, u.a. vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) 1997 als nationalparkgeeignet eingestuft und im Rahmen der Ausweisung des Natura 2000-Schutzgebietsnetzes als FFH-Gebiet mit Vorrangfläche für zukünftige großflächige Schutzgebiete gemeldet.

Bei einem Screening des BfN für ein künftiges deutsches Weltnaturerbe gelangte der Nordsteigerwald 2006 unter 24 deutschen Laubwaldgebieten als bestes bayrisches Waldgebiet auf den 5. Platz. Die Welterbewürdigkeit wurde durch die „Studie für ein mögliches „UNESCO-Welterbe Steigerwald“ (Planungsbüro für angewandten Naturschutz GmbH, PAN, 2015) bekräftigt. Hier heißt es u.a.: Die Artenzusammensetzung der alten Laubmischwälder des Nördlichen Steigerwaldes unterscheidet sich deutlich zu üblichen Wirtschaftswäldern. […] Während die Mehrheit der heutigen Buchenwaldgebiete durch eher homogene standörtliche Bedingungen und damit eine geringe Vielfalt an Buchenwaldtypen geprägt ist, weist der Steigerwald mit seiner diversen und eng verzahnten Keupergeologie ein breites Spektrum an Buchenwaldbeständen bezüglich der Nährstoffversorgung und der Bodenfeuchte auf. Dieser innige Wechsel ist die Grundlage für ein sehr artenreiches Laubwaldgebiet. [...] Zahlreiche Staatsforstflächen im Nördlichen Steigerwald (ca. 23 %) werden der Naturnäheklasse 1 „besonders naturnah“ zugeordnet (STÖCKER et al. 2015). Weitere naturnahe Wälder (Naturnäheklasse 2) nehmen etwa zwei Drittel des Nördlichen Steigerwaldes ein. In mehreren Beständen des Steigerwalds finden sich außerdem sehr alte Wälder.
Als solche können Bestände mit Buchen in einem Alter ab 180-200 Jahren bezeichnet werden (MONING & MÜLLER 2009). In diesen Beständen, die heute meist als Naturwaldreservate unter Totalschutz stehen, findet man Totholzvorräte und Baumstrukturen, die den Buchenurwäldern in den Karpaten ebenbürtig sind (GOSSNER et al. 2013, MÜLLER et al. 2009). Ein besonderes Qualitätsmerkmal der Waldgebiete ist deren geringe Zerschneidung. […] Im Gebiet wurde eine besondere Fülle bemerkenswerter und gefährdeter Pflanzen- und Tierarten nachgewiesen, die nach (STÖCKER et al. 2015) der Vielfalt bestehender Buchenwaldschutzgebiete gleich kommt bzw. diese sogar übertrifft. Mehr dazu hier.

 

Wie sieht das Konzept der Zonierung im Steigerwald aus?
(Verordnungs-Vorschlag des BN 2012)

  • Fläche 11.250 ha auf Staatswaldgebiet (öffentlicher Wald, kein Privatwald)
  • 50 % der Fläche wird als Kernzone ausgewiesen, innerhalb von 10 Jahren wird der Anteil kontinuierlich auf 75 % angehoben. In der Kern- bzw. Naturzone werden keine forstlichen Maßnahmen mehr durchgeführt. In der übrigen Fläche sind Pflegeeingriffe und Managementmaßnahmen noch möglich (z.B. Umbau standortfremder Nadelholzbestände in einen naturnahen Laubwald, Offenhalten von Wiesentälern).

Mehr dazu hier.

Soll es ein Betretungsverbot im Steigerwald geben?
(Verordnungs-Vorschlag des BN 2012)

  • keine zusätzlichen Betretungsverbote, d.h. Wandern kann man nicht nur auf den Wanderwegen, sondern auch ausserhalb der Wege - auch in der Kernzone
  • Waldfrüchte dürfen für den persönlichen Gebrauch gesammelt werden - auch in der Kernzone

Mehr dazu hier.

Wie soll das Wildmanagement im Steigerwald aussehen?
Verordnungs Vorschlag des BN 2012:

  • Wildmanagement im Nationalpark insbesondere auf Wildschweine zum Schutz der angrenzenden privaten Grundstücke

Mehr dazu hier.

Müssen Borkenkäfer bekämpft werden?
In Mitteleuropa sind 120 Borkenkäferarten bekannt. Nur zwei davon sind für die Forstwirtschaft stark relevant. Die Fichtenborkenkäfer Buchdrucker (Iys typographus) und Kupferstecher (Pityogenes chalcographus) legen ihre Brutgänge in geschwächte Fichten. Der Buchdrucker in etwas dickere Bäume und der Kupferstecher beisst sich in die Rinde der dünneren Stämme und Äste.

Im Steigerwald sind Laubbaumarten wie die Buche dominierend. Fichtenbestände sind mit weniger als 7 % an in den betroffenen Wäldern beteiligt. Somit spielt der Buchdrucker oder der Kupferstecher keine Rolle im Steigerwald. Es gibt aber auch Borkenkäfer die auf Buchen leben, wie der kleine Buchenborkenkäfer (Taphorychus bicolor). Er befällt allerdings nur selten stehende Bäume und tritt nicht so in Massen auf wie z.B. die beiden Fichten-Borkenkäfer.Es gibt für die Forstwirtschaft keine relevanten Ausfälle von der Buche durch den Buchenborkenkäfer. Nur in einzelnen extremen Trockenjahren wie im Jahr 2003 gab es Fälle vom Befall stehender Buchen unter extremem Trockenstress. Hier war der Buchenborkenkäfer aber keinesfalls bestandsbedrohend.