Wie erfolgt die Forstwirtschaft im Spessart?
Dass die jungen Eichen von heute ähnlich weit in die Zukunft schauen dürfen ist nicht zu erwarten. Die bayerischen Staatsforsten (BaySF) bewirtschaften seit 2005 die mehr als 700.000 Hektar öffentlichen Waldes als profitorientiertes Unternehmen. Die öffentlichen Wälder, die den Bürgerinnen und Bürgern Bayerns gehören, müssen nun in erster Linie Gewinn abwerfen. Dies hat nicht nur dramatische Konsequenzen für den Wald, sondern auch für die Menschen, die ihn lieben.

Zehn Prozent der Stellen wurden seitdem abgebaut, dabei wurden auch Forstämter zusammengelegt und rund ein Drittel der Forstamtsleiter wegrationalisiert. Dies alles wurde damit begründet, dass der Haushalt des Landes davon profitiere. Aber gleichzeitig wurden langfristige Verträge geschlossen, die für das Land Bayern extrem ungünstig sind. Denn dem Sägewerk Klausner (mittlerweile vom russischen Konzern Ilim Timber gekauft) wurden vertraglich 500.000 Festmeter Nadelholz zu Festpreisen weit unter dem Marktwert zugesichert. Damit gehen dem Landeshaushalt Millionen verloren und die lokalen Sägewerke kämpfen ums Überleben. Unter diesen Knebelverträgen und Rationalisierungsmaßnahmen leidet natürlich auch der Wald.

Ein Bürger im Spessart berichtet: „Heute ist es so, dass die Holzernte möglichst rationell und billig durchgeführt bzw. an Unternehmer vergeben wird. Als Folge davon sind in den Staatswäldern fast aller Regionen Mängel festzustellen: Dies reicht von Kahlschlägen über zu starke Holzeinschläge in alten Laubwäldern und massive Bodenschäden durch die hoch mechanisierte Holzernte bis hin zum Einschlag von Biotopbäumen. Der Holzeinschlag wird in der Regel ganzjährig durchgeführt, ohne Rücksicht auf Brut- und Aufzuchtszeiten. Harvester-Einsätze und Holzabfuhr erfolgen rund um die Uhr, also auch nachts.“


Wie erfolgt/e die Eichenbewirtschaftung im Spessart?

Die Nachhaltige Nutzung der Eiche wurde nur auf die Baumartenfläche, aber nicht auf den Focus Funktionsträger Alteiche gelegt.
Der Alteichenvorrat lag bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts um ein Vielfaches höher als heute. Der Vorrat heutigen Uralteichen, ist aus dem Zeitraum 1600 bis 1700. Viele Alteichen wurden dann seit Beginn der bayerischen Zeit um 1814 systematisch abgebaut. Dieser Prozess setzte sich bis in die jüngste Vergangenheit fort und erreichte im Zeitraum zwischen 1960 und 1980 nochmals einen traurigen Höhepunkt. Bei den jährlichen Werteichen-Versteigerungen wurden seinerzeit Tausende Festmeter der uralten Baumveteranen auf riesigen Holzlagerplätzen zum Kauf angeboten.

Das Ergebnis dieses lukrativen Geschäftes war nicht nur ein gewaltiger Aderlass bei den berühmten Spessarteichen, sondern deren weitgehendes Verschwinden aus unseren heimischen Wäldern.
Damit verbunden war ein enormer Verlust an Biotopqualität und eine Missachtung des Prinzips der ökologischen Nachhaltigkeit. Immerhin konnten die unterfränkischen Furnierwerke damals aus dem Vollen schöpfen. Heute beklagen sie das zurückgehende Angebot dieser wertvollen Alteichen und suchen die Schuldigen nun beim Naturschutz.
Das Unternehmensziel der Bayerischen Staatsforsten besteht nicht darin, ökologisch hochwertige, alte Wälder zu produzieren, sondern starkes, gesundes Holz in möglichst kurzer Zeit zu ernten.

Die Methoden der Eichennachzucht hatten schon immer extrem schädliche Folgen für Natur und Umwelt. Das klassische Verfahren im Spessart waren ca. drei Hektar große Kahlschläge mit nahezu vollständiger Beseitigung der gesamten Biomasse, eine ganzflächige Bodenbearbeitung nach landwirtschaftlichem Muster und die anschließende Eichelsaat. Im Gefolge weiterer Eichenmasten wurde eine Eichenkultur an die andere gereiht, bis ganze Hangflanken ihrer Altbestände beraubt waren und ein Kunstprodukt entstand, das eher großen Maisschlägen als einem Wald glich.

Außerdem hat die großflächige Eichennachzucht im Spessart den Lebensraumtyp des hier natürlichen Hainsimsen-Buchenwaldes erheblich geschmälert. Erst durch die Ausweisung des Hochspessarts als FFH-Gebiet wurde die Schutzwürdigkeit der Buchenwälder endlich anerkannt und gewürdigt.


Neuerdings verzichtet der Forstbetrieb Rothenbuch in Eichenbeständen sogar auf ein Totholzkonzept, nur weil wirtschaftliche Schäden wegen des Eichenprachtkäfers befürchtet werden. Damit wird ein wesentliches Strukturelement naturnaher Wälder ausgeschaltet und der Naturschutz nicht in die Forstwirtschaft integriert, sondern ausgeschlossen. Gleichzeitig verschließt man die Augen davor, dass in Massen auftretende Schädlinge gewissermaßen den Finger in die Wunde legen, die der Mensch dem Wald durch unökologische Waldbaumaßnahmen zugefügt hat.
Allein diese schwerwiegenden Folgen der Eichenwirtschaft im Spessart sollten Grund genug sein, sich bei der Verarbeitung von Eichenholz nicht auf ein ökologisch hoch wertiges Qualitätsprodukt zu berufen und mit Stolz darüber zu reden.
Seit 1960 sind aber auch die neu entstandenen Eichenkulturflächen um 90 % zurückgegangen. Gründe waren sicher auch die sehr aufwändigen Eichenkulturen (Grubbern, Zäunen, Buchen-zurückdrängen) in einem buchendominierten Wald, aber auch weil andere ökonomisch rentablere Baumarten wie die schnellwachsende Douglasie aus Nordamerika mehr in den Vordergrund der Forstwirtschaft gerückt ist.


Wenn der Nationalpark kommt verschwindet die Eiche?
Die Eiche wäre von Natur aus nicht im gesamten Buntsandstein-Spessart vorhanden. Die Eiche kommt im Spessart an warmen Standorten, z.B. trockenen Südhängen vor. Hier kann sie sich auch gegenüber der Rotbuche durchsetzen. In vielen Waldgebieten wo die Eiche nicht optimal wächst, wird sie künstlich durch die Forstwirtschaft gefördert, damit sie nicht von den dort natürlich wachsenden Rotbuchen überwachsen wird. Wobei andere Untersuchungen in Buchen-Eichenreservaten Deutschland im Zeitraum 1970 – 2012 unterstützen diese weitverbreitete Experteneinschätzung nicht.

Nicht in Jahrzehnten sondern erst in Zeiträumen von rund 250 – 350 Jahren wäre hier mit einem Eichenausfall zu rechnen, selbst wenn keine weiteren Klimaänderungen oder Störungsereignisse (wie Sturmwürfe, die Eiche begünstigen würde) eintreten. (Siehe Studie Prof Dr. J. Müller). Die Traubeneiche hat eine ähnliche Höhenentwicklung wie die Rotbuche. Herrschende Alteichen werden kaum noch von Rotbuchen überwachsen. Daher kann hier nicht von einem Verschwinden der Eiche in Wäldern über 250 Jahre ausgegangen werden.

Dies kann man auch im Naturwaldreservat Eichhall sehen. Hier wurde vor 15 Jahren der letzte geschlossene, von Uralteichen geprägte Eichen-Buchenbestand als Totalreservat ausgewiesen. Trotz einer Mischungsverteilung von ca 50 % Buche und 50 % Eiche kam es bisher nicht zu einem Rückgang der Eichen.

Im Spessart ist aber noch eine andere Situation zu berücksichtigen. Die alten Lichteichenwälder des Mittelalters wie im Naturschutzgebiet Rohrberg haben einen Hutewald-artigen Charakter mit niedrig angesetzten Kronen und niedrige Baumhöhen. Diese seltenen historischen Bestände sind jüngeren Buchen unterlegen. Diese Einzel-Bestände sollten in einem Nationalpark in der Pflegezone liegen, damit die Zurücknahme der Buche sichergestellt ist.
In bereits bestehenden Eichenbeständen mit älteren Eichen ist dies jedoch ein äußerst langwieriger Prozess, den die meisten von uns nicht mehr erleben werden. Eichen können von Natur aus mehrere hundert Jahre (500 – 600 Jahre) alt werden, während sie in bewirtschafteten Wäldern verhältnismäßig jung geerntet werden.

Das aus ökonomischen Betrachtungen resultierende Bewirtschaftungskonzept im Staatswald sieht vor, dass Eichen spätestens im Alter von 230 Jahren geerntet werden. Etliche bedrohte Arten, die Forscher im Spessart ausgemacht haben, wurden daher vor allem in den wenigen Naturschutzgebieten und Naturwaldreservaten im Spessart gefunden, dort also, wo die Motorsäge ruht und die Eichen in größerer Zahl wirklich alt werden dürfen.
Nahezu alle von der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft in Bayern (LWF) belegten Funde sehr seltener Arten, darunter mehrere spektakuläre Urwaldreliktarten, stammen aus dem 350 bis 400 Jahre alten Eichen-Heisterblock und aus den Naturschutzgebieten Rohrberg, Eichhall und Metzgergraben-Krone. Berühmtheit hat dieses zusammen etwa 400 Hektar große Waldgebiet nur wegen seiner absoluten Seltenheit im deutschen Wald erlangt. Aktuell befinden sich dort nur noch Alteichen >300 Jahren auf insgesamt rund 200 ha. 
Diese Vorkommen In diesem Sinne sind solche „Prunkstücke“ weniger ein Ruhmesblatt als vielmehr ein Armutszeugnis für die Forstwirtschaft.


Der restliche, rund 7000 Hektar große Eichenbestand des Spessarts ist selten über 200 Jahre alt und hebt sich hinsichtlich seiner Artenvielfalt kaum von durchschnittlichen Verhältnissen ab.  Tatsächlich sind die wenigen Hotspots der Artenvielfalt räumlich isolierte und deshalb genetisch instabile Teilpopulationen, die bei Fortsetzung der regulären Forstwirtschaft auf das äußerste bedroht sind. Ein Nationalpark im Spessart würde die besten Voraussetzungen schaffen, um eine kohärente Vernetzung nicht mehr überlebensfähiger Teilpopulationen sicherzustellen. Die flächenmäßige Ausstattung der einzelnen Altersklassen im Eichenwirtschaftswald lässt diese Möglichkeit nämlich nicht mehr zu. Grund dafür ist eine ausgeprägte Lücke in der Altersstufe zwischen ca. 220 und 350 Jahren. In dieser für die Artenvielfalt entscheidenden Altersphase finden sich nahezu keine Eichenbestände.

In einem Nationalpark dürften heranwachsende Eichen und auch alte Eichenbestände also (rechtlich abgesichert) älter und dicker werden, als in einem bewirtschafteten Wald.
Die Eiche kommt von Natur aus nicht als Reinbestand in den Hainsimsen-Buchenwäldern (Luzulo-Fagetum) vor, sondern ist mit beteiligt. Von Natur aus wäre der Eichenanteil etwa bei 2-3 % im Bundsandsteil-Spessart. Heute liegt der Eichenanteil im Spessart durch Kahlschlagsverfahren und Eichensaat sowie intensive Pflege bei etwa 25 %. Auch in einem Nationalpark wird die Eiche nicht verschwinden, denn zum einen ist ein Nationalpark nur auf einem kleiner Fläche im Spessart angedacht, zum anderen wird es auch in dem Schutzgebiet Flächen geben die für die Eiche geeignet sind. Innerhalb der Kernzone wird der Eichenanteil sich jedoch im Laufe der Zeit reduzieren.


Oft wird angeführt dass die Eiche sehr wichtig für den Artenschutz sei. Sie hat auch viele abhängige Insektenarten, die an ihrer rauen Borke idealen Platz finden. Aber auch die Rotbuche bekommt im Alter eine sehr rissige raue Borke – wenn man nur lang genug wartet - bietet die Rotbuche ebenfalls viele Lebensräume für seltene Arten. Für viele Insektenarten sind alte, dicke Bäume, die natürlich zerfallen dürfen wichtiger als die Bindung an eine bestimmte Baumart.

In ihrem Beitrag „Die Buche in Mitteleuropa“ (AFZ - Der Wald 13/2005) heben die Autoren Ch. Kölling, H. Walentowski und H. Borchert diesen Aspekt besonders hervor, wenn sie schreiben: “Verschiedene Tierarten, die früher fälschlich als „Eichenwaldarten“ galten, wie der nach der FFH-Richtlinie prioritäre Eremit (Osmoderma eremita), der Mittelspecht (Dendrocopus medius) oder der Halsbandschnäpper (Ficedula albi-ollis), kommen auch in starken Populationen in alten Buchenwäldern vor. Diese sind aber so selten geworden, dass bislang die Vorkommen in Eichenwäldern als „typischer“ galten. Man spricht deshalb von einem katastrophalen Mangel an reifen Buchenbeständen und meint damit Buchenwälder in der Zerfallsphase“. Vor diesem Hintergrund sollte man darauf verzichten, die beiden Hauptbaumarten des Hochspessarts im Hinblick auf die Wertigkeit ihrer Biozönosen gegeneinander auszuspielen. Beide haben ihren eigenen Wert und beide leiden unter den lebensverkürzenden Eingriffen der Forstwirtschaft.

Das Ministerium hat im Rahmen der Nationalparkdiskussion weiterhin zugesagt, wertvolle Alt-Eichenbestände im Spessart zu erhalten durch die entsprechende Auswahl der Pflegezone. Solitäre Huteeichen mit ihrer besonderen ästhätischen und naturschutzfachlicher Qualität sollen besonders geschützt werden. (www.spessartbund.de, 14.12.2016)
Eine gute wissenschaftliche Expertise von Prof Dr. Jörg Müller zu der Problematik ist zu finden unter http://www.np3.bayern.de/images/np3_spessart_expertise.pdf
Die Studie kommt zu der Aussage dass ein Nationalpark die alten Bäume insbesondere die Eichen vor einer weiteren Übernutzung schützen würde. In nur 100 Jahren ist mit einer Verdopplung der Fläche an Alteichen mit einem Alter von über 300 Jahren zu rechnen.


Müssen Forstschädlinge bekämpft werden?
Der Eichenwirtschaftswald im Spessart ist alles andere als ein intaktes Waldökosystem. Ganz im Gegenteil ist er ein höchst anfälliges Kunstgebilde, das nur im ständigen Reparaturbetrieb aufrechterhalten werden kann.

Um es zu erhalten, wurden seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts in unregelmäßigen Abständen Insektizide gegen blattfressende Schmetterlingsraupen aus Luftfahrzeugen versprüht. Noch im Jahr 1959 wurde bei einer Eichenwickler-Bekämpfung im Hochspessart das extrem giftige DDT eingesetzt und dabei nachweislich auch das Naturschutzgebiet Rohrberg nicht verschont. Später folgten mehrere Bekämpfungsaktionen mit Dimilin, das die Häutung von Insektenlarven verhindert und sie somit zum Absterben bringt.

Grundsätzlich werden in der Naturzone keine Eingriffe durchgeführt. In der Rand- und Entwicklungszone können Maßnahmen durchgeführt werden zum Schutz der aussenliegenden Privatwälder. Gifteinsatz ist im Nationalpark verboten. Die Maßnahmen werden meist durch Einschlag der betroffenen Bäume durchgeführt. Im Spessart dominieren Buchen, die keine Massenverbreitung von „Forstschädlingen“ verursachen. Bei Fichtenbeständen in der Randzone sollte der Borkenkäfer kontrolliert werden. Im Spessart gibt es aber auch einige großflächige Eichenbestände. Bei der Eiche sind Schwammspinner (Lymantria dispar) sowie der Zweipunkt-Eichenprachtkäfer (Agrilus biguttatus) relevant. Beim Eichenprozesssionspinner sind durch die giftigen Raupenhaare auch die gesundheitlichen allergischen Reaktionen zu beachten.