Ist Privatwald im Ammergebirge betroffen?
Nein. Die Wälder im Nationalparksuchraum beschränken sich auf die öffentlichen Staatswälder die im BaySF Forstbetrieb Oberammergau (44.390 ha) bewirtschaftet werden. Die Initiative Nationalpark Ammergebirge gibt den Suchraum mit 23.000 ha an – Der Erweiterungsteil im Wetterstein ist etwa 6.800 ha groß. Die Naturwald-Studie von Greenpeace mit 17.000 ha Wald incl. des südlichen Reintales. Der in privater Hand befindliche Eibsee ist ansonsten noch inkludiert in dem Vorschlag der Initiative Ammergebirge. Der an der Grenze liegende Besitz der österreichischen Bundesforsten wird von dem Suchraum ausgespart. Dieses wäre eine Erweiterungsoption, wenn auch Österreich das Gebirgsmassiv um die Geierköpfe mit einbringen will, um eine grenzüberschreitende Nationalparklösung umzusetzen.
Für die auf den Staatswaldflächen lastenden eigentumsgleichen Altrechten für die Brennholznutzung müssten in der Pflegezone ausgewiesen werden. Es handelt sich um ca 2.000 Ster Brennholz und um 200 fm Stammholz pro Jahr. (Quelle Süß BaySF, 2009 und 2011)
Das Reintalanger ist im Besitz der Gemeinde Garmisch-Partenkirchen

Wachsen die traditionellen Almen zu?
Es gibt mehrere bewirtschaftete Almen. Die vorhandenen Lichtweiden sollen in die Managementzone integriert werden. Eine Beweidung und Offenhaltung der Flächen ist aus kulturhistorischer aber auch aus Naturschutzgründen langfristig erwünscht. Waldweiderechte sollten schon mit dem Beschluss des Landtages 1986 abgelöst werden. Innerhalb von 30 Jahre sollte nach dem Nationalpark-Vorschlag die Beweidung ausserhalb der Lichtweiden, sprich im Wald, abgelöst werden. Die Beweidung von rund 630 ha (davon knapp 200 ha Lichtweide) ist im Staatsrevier Hohenschwangau (= schwäbischer Teil des NLP) durch Pachtverträge zwischen Nutzer und den Bayerischen Staatsforsten geregelt mit einer Bestoßung von maximal 190 Rindern, d.h. Jungvieh und einige Kühe für die Versorgung der Hirten (Quelle: GREINDL, J., FB Oberammergau BaySF, 2009).
Im Landkreis Garmisch-Partenkirchen sind die privaten Weiderechte in das Grundbuch eingetragen. So sind im Werdenfels die Staatswälder, quasi genossenschaftlich organisiert, fast ganz mit Weiderechten belastet. Insgesamt sind es ca. 9.000 ha, wobei derzeit etwa 5.000 ha mit Schwerpunkt im südlichen Ammergebirge (Einhänge zur Loisach) beweidet werden mit einem Auftrieb von etwa 550 Rindern und ca. 550 Schafen (Quelle: SÜß, M., Leiter FB Oberammergau BaySF, 2009 und 2011). Addiert man dazu noch gerundete 4.000 ha für die Pufferzonen und die Objektschutzwälder, würden diese zusammen mit der aktuellen Gesamt-Weidefläche im NLP eine anfängliche Pflegezone von geschätzt etwa 9.000 ha ergeben. Damit würde die Kernzone einen Anteil von rund 60 % zu Beginn der Schutzgebietsfestsetzung einnehmen.
Klar ist aber auch, dass durch die Nationalparkverordnung Eigentumsrechte nicht angetastet werden; der Freistaat Bayern wäre ansonsten entschädigungspflichtig. Ausschlaggebend für eine konsensuale Lösung der Waldweide im Werdenfelser Teil des NLP-Projekts wird der feste politische Wille sein, einen Nationalpark „Ammergebirge“ einzurichten.

Was soll das Wildmanagement im Ammergebirge durchgeführt werden?
Im Ammergebirge gibt es große Bereiche der Schutzwaldsanierung. Hier ist Schalenwildbejagung (insb. Gamswild, Rotwild und Rehwild) wichtig um den Erfolg der Sanierungsflächen zu garantieren. Ganz besonders wichtig sind die Objektschutzwälder (Lawinenschutz oberhalb von Bebauung). Derzeit bestehen schon 6.000 ha Jagdruhezonen in Bereichen in denen der Wald nicht vor Verbiss geschützt werden muss (z.B. Friederstock, Höllentalbereich). Zum Schutz vor Verbiss im Winter sind im Nationalparksuchraum dzt. 7 Wintergatter für das Rotwild (ca 700 Tiere im Winter). Ausserhalb der Wintergatter wird mindestens ein ebenso hoher Rotwildbestand geschätzt. Die Tanne (ca 10 %) wird häufig durch Rehe verbissen.
Wintergatter gibt es bereits in anderen Nationalparken z.B. Nationalpark Bayerischer Wald – in der Pflege/Managementzone. Mittelfristig, insbesondere bei Wiedereinwanderung von Luchs und Wolf, sind solche Wintergatter zu überdenken.

Was ist mit den Skiliften – Ist Skifahren im Nationalpark erlaubt?
Bestehende Skiabfahrten und Lifte haben Bestandsschutz. Die Skigebiete von Garmisch Partenkirchen sind außerhalb der Suchkulisse des neuen Nationalparks.

Kann der Nationalpark in Zeiten des Klimawandels eine Alternative zum Skitourismus sein?
Die Einrichtung eines Nationalparks, kann auch als neue wirtschaftliche Strategie gesehen werden. Denn durch die Erwärmung des Klimas wird der Wintersport in der Region stark abnehmen. So wird auch schon mehrere Jahre in Folge der Saisonstart verschoben, da wenig oder gar kein Schnee gefallen ist. Das Ammergebirge eignet sich ideal für einen alternativen Wandertourismus, da hier ein Großteil der Hänge nicht durch den Skitourismus mit beschneiten Abfahrten und Skiliften erschlossen wurde. Nur der Skitourismus auf dem Gletscher der Zugspitze ist professionell ausgebaut. Aber die Fläche südlich der Zugspitze ist von der Nationalparkfläche ausgenommen. Durch die Klimaerwärmung werden Gebiete unter 2.000 m – und das sind die meisten bayerischen Skigebiete - enorme Probleme in Bezug auf eine sichere Schneelage bekommen. Entweder wird noch kurzfristig versucht durch Schneekanonen den Zeitpunkt einer Strukturänderung nach hinten zu schieben oder man investiert heute schon in zukunftsfähigere Konzepte. Gerade am Tourismus hängen viele Arbeitskräfte in der Region. Ein Nationalpark kann Arbeitsplätze schaffen. Das zeigen viele Beispiele aus Regionen mit Nationalparks.

Verträgt sich der Massentourismus der Königsschlösser mit einem Nationalpark?
Mit der Erweiterung um das südliche Naturschutzgebiet Schachen und Reintal würden im Nationalparkgebiet drei Königschlösser liegen - Schloss Neuschwanstein, Schloss Linderhof und das Schachen Königshaus - eingerahmt von den Ortschaften Oberammergau, Garmisch und Füssen. Die Sehenswürdigkeiten würden auch einen potentieller Namen "König-Ludwig-Nationalpark" ableiten. Neuschwanstein gehört heute zu den meistbesuchten Schlössern und Burgen Europas. Etwa 1,5 Mio Besucher kommen jährlich. Im Sommer kommen mehr als 6.000 Besucher täglich. Das Schloss Linderhof hat etwa 430.000 Besucher im Jahr und das Jagdschloss Schachen immerhin noch 11.600 Besucher im Jahr. Die meisten Besucher der Schlösser sind Tagestouristen. Hier gilt es für die Region durch zusätzliche Angebote z.B. geführte Wanderungen in den naheliegenden Nationalpark, Erlebnis-Nationalpark-Infozentren oder Nationalpark-Tiergehegezone zusätzliche Übernachtungsgäste zu gewinnen.
Die Schlösser und deren Infrastruktur sollten ausserhalb der Nationalparkfläche sein (z.B. Neuschwanstein) oder in die bewirtschaftete Erholungszone integriert werden (z.B. Schachen). Aber ein Überrennen des Nationalparks mit Massentourismuss ist nicht zu befürchten, wenn man frühzeitig Infrastrukturkonzepte plant. Beispiele aus vielen Nationalparks zeigen, dass trotz vieler Besucher sich letztendlich die meisten Besucher entlang gut ausgeschildeter Wanderrouten und spezieller Sehenswürdigkeiten bewegen. So sind zwar über 1,3 Mio Besucher im Nationalpark Bayerischer Wald zu verzeichnen, die meisten nutzen aber nur den Baumkronenpfad, die Nationalparkinfozentren, das Tierfreigelände und eine Tour zum Lusen. So bleiben viele Naturschätze nur den wirklich interessierten Besuchern vorbehalten.

Müssen Borkenkäfer bekämpft werden?
Borkenkäfer spielen nur in Fichtenbeständen eine Rolle. Insbesondere nach kleinräumigen Sturmwürfen können sich die Fichtenborkenkäfer (Buchdrucker und Kupferstecher) stark ausbreiten, falls es Temperaturen > 1 Grad länger erreicht. So sind Fichtenwälder in höheren Lagen natürlich gegen Borkenkäfer geschützt. Im Zuge der Klimaerwärmung und generelle Schwächung der Bäume durch Luftschadstoffe und lange Trockenperioden, können die Fichtenborkenkäfer größere Schäden in unteren und mittleren Lagen bis 1.500 m ü NN verursachen.
In den 500 Meter breiten Randzonen (max 1.000 Meter) zu angrenzenden Privatwäldern muss der Fichtenborkenkäfer im Nationalpark bekämpft werden. In Naturzonen wird keine Borkenkäferbekämpfung durchgeführt. Auch in den Objektschutzwäldern (Schutzwaldsanierungsbereiche) sollte ggfl. Borkenkäferbekämpfung zusammen mit einer Umwandlung in Mischwälder durchgeführt werden. Deshalb ist es wichtig betroffene Fichtenbestände im Nationalparksuchraum zu identfizieren, den Nachbarbestand einzuschätzen und dann in ein sinnvolles Zonierungskonzept einzubauen. Infos zu Borkenkäfern und Erfahrungen aus dem Nationalpark Bayerischer Wald